Veröffentlicht am 06 April 2018, 13:21

Deutsch ab der 7. Klasse der Grundschule?

Eine Interpretation der Bildungsvorschriften im Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) und Deutsch als Minderheitensprache (DaM) durch das Bildungsministerium, die in den letzten Tagen eine Runde durch Schulen und Selbstverwaltungseinheiten macht, sorgt für Unsicherheit in Grundschulen, die ab der 7. Klasse eine zweite Fremdsprache anbieten sollen.

In vielen Schulen in den Siedlungsgebieten der deutschen Minderheit wurde Deutsch bisher als Minderheitensprache auf Antrag der Eltern angeboten. Das geschah unabhängig von Fremdsprachen, die bereits ab der 1. Klasse der Grundschule unterrichtet werden. Vielerorts ist Englisch die 1. Fremdsprache. Dann wird ab der 7. Klasse auch eine 2. Fremdsprache angeboten, und das war oft eben Deutsch - auch für die Kinder der deutschen Minderheit. Folglich lernten diese Kinder sowohl Deutsch als Muttersprache als auch Deutsch als Fremdsprache. Bis heute.

Die Schulaufsichtsbehörden in Schlesien und Oppeln weisen in den letzten Tagen die Schulträger und Schuldirektoren an, wie der Deutschunterricht für die Kinder der deutschen Minderheit organisiert werden soll. Demnach solle Deutsch dieser Zielgruppe immer noch als Muttersprache angeboten werden, vorausgesetzt, dass die Eltern das beantragen. Ab der 7. Klasse müssten diese Kinder dann aber eine 2. Fremdsprache wählen, z. B. Spanisch, Italienisch, Französisch oder Russisch und nicht Deutsch!

Das würde praktisch bedeuten:

  • Das Kind der deutschen Minderheit lernt in der 7. und 8. Klasse weiterhin Deutsch als Minderheitensprache und wählt dabei eine andere Fremdsprache (z. B. Spanisch).

oder

  • Das Kind wird von den Eltern vom Unterricht Deutsch als Minderheitensprache abgemeldet und besucht ab der 7. Klasse den Unterricht Deutsch als Fremdsprache.

In dem zweiten Fall darf es auch zum Grundschulabschluss die Prüfung "egzamin ósmoklasisty" im Fach Deutsch als Fremdsprache ablegen.

Die Regelung betrifft vor allem Schüler, die im nächsten Schuljahr in die 7. Klasse gehen. Die jetzigen 7-Klässler und die Schüler der alten Mittelschulen (gimnazjum) seien davon nicht betroffen.

Die neue Interpretation hat sowohl für die Kinder als auch für Schulen, Deutschlehrer und Schulträger weitreichende Konsequenzen. Auf diese Konsequenzen weisen der Vorsitzende des VdG Bernard Gaida und der Vorsitzende der SKGD Rafał Bartek in ihrem Schreiben an den Unterstaatssekretär Maciej Kopeć im Bildungsministerium hin. Die Kopie des Schreibens (in Polnisch) kann von unserer Webseite heruntergeladen werden.

Auf die Antwort des Bildungsministeriums und die Entscheidungen in diesem Bereich bleibt es abzuwarten. Das Sekretariat des Unterstaatssekretärs Kopeć teilt mit, die Angelegenheit sei in Bearbeitung und die Antwort auf die Anfrage der deutschen Minderheit sei in den kommenden Tagen zu erwarten.

 

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