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Mehr Engagement

Am Samstag bin ich der Einladung zum Sommerfest in Osterode in Ostpreußen gefolgt. Seit Jahren, in denen ich mich im VdG engagiere, habe ich dort, auf diesem schönen Stück Erde, viele Leute kennengelernt. Ich habe auch eine andere Mentalität als in Oberschlesien  angetroffen, eine andere Geschichte erfahren und die deutsche Literatur gelesen, die dort entstanden ist.

Ein wichtiges Gespräch, das ich vor Jahren gehabt habe, hat in Hohenstein stattgefunden. Damals sagte mir eine Frau, die mit einem Chor dorthin gekommen ist: „Ich bin eine starke ostpreußische Eiche. Die überlebt alles und steht fest bis an den letzten Tag!“ So wollte sie ihr Engagement in dem deutschen  Chor und viele andere Aktivitäten trotz ihres hohen Alters begründen . Das war vor mindestens acht Jahren. Wie groß war meiner Freude, als ich sie wieder getroffen habe. Immer noch aktiv. Solche Menschen fehlen uns in vielen Gesellschaften, was ich neulich feststellen musste, als ich in Thorn war.

In einer der schönsten Begegnugsstätten, die der Volksgruppe  in Polen zu Verfügung stehen, wurde mir die traurige Information mitgeteilt, dass keiner der Mitglieder die Verantwortung für die Aktivitäten übernehmen wolle. So wurde auch kein Vorstand gewählt -  mit allen Konsequenzen dieser Entscheidung.  Was ist mit der Generation, die nach den Menschen der ersten Stunde gekommen ist? Warum tragen die Kinder und Enkel der Menschen, die massenweise vor 30 Jahren angefangen haben, nicht die Fahne weiter? Warum pflegen sie trotz gegenwärtiger Möglichkeiten die Sprache und Kultur der Vorfahren nicht? Sind das nur allgemein Änderungen in der Gesellschaft, dass sich immer weniger engagieren wollen? Oder haben die Eltern und Großeltern irgendetwas versäumt? Fehlt uns so sehr der Nationalstolz, dass uns egal ist, ob im ehemaligen Ostdeutschland die deutsche Volksgruppe sichtbar wird?

Ich weiß, dass  ich ein bisschen übertreibe. Besonders nach den letzten Wahlen im Verband der deutschen Gesellschaften, als in den Vorstand zwei junge Nachfolger von Mitgliedern der ersten Stunde gewählt wurden.  Aber ich möchte hier doch zu mehr Engagement und Initiative in den Vereinen aufrufen, um eine solche Gefahr wie in Thorn früh genug zu vermeiden.