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Gedenken an den großen Krieg

In unserer Mitte, gewiss aber in unserer Gesellschaft, gibt es Menschen, die vom Gedenken an gefallene Soldaten nichts hören wollen. Es ist dabei bekannt, dass vor allem Tafeln und Denkmäler zu Ehren der gefallenen deutschen Soldaten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges für viel Diskussion sorgen. Für solch einen Wirbel sorgen dagegen Initiativen um Denkmäler für diejenigen, die aus den Fronten des Krieges von 1914-1918 nicht zurückgekehrt sind, nicht.

Doch in diesem Jahr jährt sich zum 100. Mal das Ende dieses Krieges und daher sollten wir diesen Denkmälern und Gedenkorten mehr Aufmerksamkeit schenken. Es ist bekannt, dass Denkmäler für die Gefallenen des sog. Großen Krieges in jedem deutschen Ort standen, auch in Schlesien, Pommern oder dem ehemaligen Ostpreußen. Es reicht nur sich umzuschauen, um zu sehen, ob auch in unserem Dorf oder Stadt ein solches Denkmal von der Entdeutschung bewahrt und damit bis heute erhalten geblieben ist. Denn in der Mehrheit der Orte wurden sie zerstört, dabei oft aber nur teilweise. In einigen stehen sie verwahrlost bis heute und in weiteren erstrahlen sie in voller Pracht. In vielen Dörfern in Niederschlesien traf ich auf Sockel solcher Denkmäler, die zu Gedenkorten des 20. oder 30. Bestehens der Volksrepublik Polen umfunktioniert wurden.

Man muss sich Gedanken machen, wie man die Erinnerung den heutigen Bewohnern wiedergibt, denn die Erinnerung an die Gefallenen in Verbindung mit der Realität des Todes kann neben ihrem eschatologischen Charakter auch die Kraft der Mahnung vor dem Krieg haben. Und die ist immer nötig. Krieg ist doch die Konsequenz einer bewussten Politik der Feindschaft, Fremdenfeindlichkeit, Aufrüstung und der Einwilligung zur Gewalt. Und vor solchen Gefahren ist auch die heutige Politik in Polen nicht frei, auch nicht in der europäischen und globalen Dimension. Daher ist das Bewusstsein der zerstörerischen Kraft des Krieges so wichtig und die Listen mit Namen der Gefallenen können dieses Bewusstsein noch verstärken. Als nun dank der Stadtverwaltung in Guttentag im Park das Gedenken an das dort bis zur Zerstörung durch den ersten polnischen Bürgermeisters der Stadt stehende Denkmal mit 187 Namen wieder herrgestellt wurde, suchte ich nach einer Antwort auf die Frage nach dem Interesse an solchen Tatsachen. Zunächst musste ich mit Trauer feststellen, dass bei der Heiligen Messe für die Gefallenen und der anschließenden Segnung der Tafel vor allem die angestammten Bewohner der Stadt teilgenommen haben. Vor allem DFK-Mitglieder. Doch nach wenigen Tagen sah ich, dass an diesen Ort im Park immer mehr Spaziergänger, Eltern mit Kindern und Radfahrer kommen und dort eine Zeit verweilen. Sie lesen die Beschreibung und studieren die Liste mit Namen der Gefallenen, auf der vor allem typisch schlesische Nachnamen zu finden sind, die bei heute von den Bewohnern der Stadt getragen werden.

Das hat mich überzeugt, dass sowohl für das Geschichtsbewusstsein als auch für die Bindung an den Gedanken der friedlichen Integration Europas, die Ablehnung der Feindschaft zugunsten einer Zusammenarbeit es wert ist, das Gedenken an die Gefallenen wiederherzustellen.

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