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Wahlen in der CDU

Die drei bisherigen Kandidaten für den CDU-Vorsitz (v.l.) Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn Foto: Tobias Koch (toko) Die drei bisherigen Kandidaten für den CDU-Vorsitz (v.l.) Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn

Seit dem Moment, als Kanzlerin Angela Merkel sagte, sie werde nicht mehr für den Vorsitz der CDU kandidieren und dass diese Legislaturperiode ihre letzte als Kanzlerin ist, diskutiert Deutschland über ihre Nachfolge. Keine bisherigen innerparteilichen Wahlen fanden wohl in einer solch deutschlandweiten Perspektive statt. Im Hintergrund steht nämlich die Frage: Welchen Kurs braucht heute die Partei und wer kann ihn garantieren, aber auch ob im Hinblick auf die Wahlen in der Partei es möglich sein wird, die Bundesregierung unter Angela Merkel bis zum Ende durchzuhalten.

Zur Wahl haben sich drei Kandidaten gemeldet: Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn. Das Interesse an den Kandidaten war so groß, dass der Vorstand der CDU entschieden hat, den Wahlen auf dem Bundesparteitag am 8. Dezember  in Hamburg werden acht Regionalkonferenzen vorangehen. Am letzten Freitag fand in Berlin die letzte statt, an der ich nach der Regisitrierungsprozedur auch teilnehmen konnte.

Die Kandidaten hatten während der Konferenz die gleiche Zeit zur Verfügung,  sowohl bei ihrer Programmvorstellung als auch bei den Antworten auf die aus dem Saal gestellten Fragen. Ich denke, dass jeder der Teilnehmer mit einer eigenen Meinung zur Konferenz gekommen ist, die er sich anhand medialer Beiträge erarbeitet hatte. Auch ich dachte, ich wäre mir meiner Meinung sicher. Die Konferenz zeigte aber, dass alle drei Kandidaten fast gleich gut auf die Übernahme der Verantwortung für die Partei vorbereitet sind. Ich hatte zusätzliche Reflexionen, und zwar den Gedanken, dass eine Partei, die es schafft in ihren eigenen Reihen gleich drei solcher Kandidaten aufzustellen, ihre immer noch starke Position unterstreicht. Die zweite Reflexion ist, wenn tausende Menschen an den Konferenzen interessiert sind, hat die Partei immer noch eine starke Basis.

In einer fast dreistündigen Veranstaltung gab es Antworten auf viele Fragen von der Beziehung zu Europa bis hin zur künstlichen Intelligenz. Der Leser in Polen wäre gewiss darüber erstaunt, dass das Migrationsproblem dabei überhaupt nicht die Debatte dominiert hatte. Interessant war, dass z.B. Jens Spahn meinte, im Zusammenhang mit dem russischen Angriff im Asowschen Meer müsse der Bau der Pipeline Nordstream2 überdacht werden, während Friedrich Merz dieses Vorhaben konsequent als wirtschaftliches Projekt angesehen hatte. Das Problem der Untergrabung der Rechtsstaatlichkeit in Polen sahen dabei alle Kandidaten als bedeutend an. Diese müsse aber so geregelt werden, dass die Einheit der EU nicht gefährdet werde.

Leider fehlte mir in allen Aussagen eine klare Berufung auf die christlichen Werte, doch mit Freude nahm ich die Deklaration an, dass alle sich der Idee der SPD entgegenstellen, Abtreibungswerbung, die bislang in Deutschland verboten ist, zu legalisieren. Ein zusätzlicher Mehrwert meiner Teilnahme an der CDU-Konferenz ist die Erkenntnis, dass zur letztendlichen Wahl in Hamburg vielleicht mehr als nur die drei bekannten Kandidaten antreten. Noch vor dem Eingang zum Saal gab mir  der hessische Unternehmer Dr. Andreas Ritzenhoff seinen Flyer und erklärte, er werde laut Satzung direkt bei dem Parteitag als Kandidat benannt. Der Parteitag in Hamburg wird also interessant werden.

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