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Hass ist leicht

Die Worte "Hass" und "Verachtung" werden nach der Ermordung des Danziger Stadtpräsidenten  Paweł Adamowicz fast schon inflationär gebraucht. Und das tun alle, sowohl auf der linken als auch der rechten politischen Seite. Und dies geschieht soweit, dass man glatt bezweifeln kann, die Verurteilung des Hasses wäre wirksam oder zumindest ehrlich gemeint. Ich bin persönlich überzeugt,  dass die Mehrheit der Sprechenden dies konjunkturell tut und weit weg ist von einer eigenen Gewissenserforschung. Ich stimme mit denen überein, die den Hauptverursacher auf der politischen Seite sehen, die nicht wirklich richtig als konservativ betrachtet wird. Auch die Worte Pater Ludwik Wiśniewskis, dass "der Mensch, der die Hassprache benutzt, der seine Karriere auf einer Lüge aufbaut keine hohen Funktionen in unserem Land innehaben darf", einen konkreten Empfänger haben.

Und doch denke ich, dass man zwar die Initiatoren der Teilung und der hasserfüllten Auseinandersetzungen in der polnischen Politik relativ präzise bestimmen kann, das derzeitige Ausmaß dieses Phänomens aber schon einen Massencharakter hat. Und das bedeutet, auch wenn die Quelle versiegt, wird das Phänomen nicht so leicht aus der Welt zu schaffen sein. Marek Edelmann sagte in einem seiner Vorträge: "Hass kann man viel leichter erwecken als Liebe entfachen. Hass ist leicht. Liebe verlangt Anstrengung und Aufopferung. Wir erlauben, dass auf den Straßen der Städte (...) im Namen der demokratischen Freiheit Paraden des Hasses und der Intoleranz stattfinden. Das ist ein schlechtes Zeichen. (...), denn Demokratie heißt nicht das Böse zu gestatten, nicht einmal das kleinste, denn dieses könnte irgendwann einmal wachsen. Wir müssen in den Schulen, den Kindergärten, an den Hochschulen lehren, dass das Böse böse ist, dass Hass böse ist und die Liebe unsere Pflicht."

Am Sonntag, den 27. Januar, werden wir um 15 Uhr in Lamsdorf, in der dortigen Kirche und auf dem Friedhof der im dortigen polnischen Nachkriegslager für Deutsche Getöteten, eben der Opfer der damaligen institutionell organisierten Rache gedenken. Nur weil sie deutsch war, wurde die Zivilbevölkerung zum Objekt des Hasses, den man leicht ausnutzen konnte. Marek  Łuszczyna, Autor des Buches "Polnische Konzentrationslager", schreibt: "In der polnischen Gesellschaft war der Hass gegen den erst kürzlichen Besatzer allgemein. Fast jede polnische Familie verlor durch einen Deutschen eine nahe Person. Die neuen Machthaber haben dieses Gefühl des Unrechts dazu genutzt, ihre Position im Land zu stärken". Man kümmerte sich nicht darum, dass Verbrechen und Repressionen in der Nachkriegszeit gegen Deutsche mit der Kollektivschuld zu rechtfertigen nicht nur im Staatsrecht  und in der christlichen Moral keine Grundlage hatte. Und doch wird dies bis heute von vielen genutzt.

Auch deswegen organisieren wir das Gedenken an die Opfer der sog. Oberschlesischen Tragödie, um so "Das Böse als das Böse zu benennen" und zu zeigen, dass der Hass auch die Hassenden zerstört und sie leicht auszunutzen sind. Kommen wir nach Lamsdorf auch in Begleitung junger Menschen, damit sie daran denken, dass man dem Hass schnell erliegen kann, die Liebe aber viel Kraft braucht.

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