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Ehrenwerte Ideen?

Ehrenwerte Ideen? Quelle: https://www.facebook.com/przywrocmypamiecopatronachwykletych/photos/a.1793378617551050/2495450520677186/?type=3&theater

Es ist unpassend sich als deutscher Schlesier zu Jahrestagen und Jubiläen der polnischen Geschichte zu äußern, wenn der Gegenstand der Kritik mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden ist. Wenn es allerdings unsere gemeinsamen Werte und die heutige Sicht auf die Bürgerrechte betrifft, scheint mir Kritik anberacht zu sein. In der letzten Zeit erhitzt die Gemüter die Übernahme der Schirmherrschaft über das kontroverse 75. Jubiläum der Gründung der Heiligkreuz-Brigade der NSZ (Nationale Streitkräfte) durch den polnischen Präsidenten. Grund dafür sind Vorwürfe, diese Einheit hätte mit den Besatzern kollaboriert. Wenn es dabei einzig und allein darum ginge, die dort kämpfenden und vor allem gefallenen Soldaten zu ehren, dann gebührt allen Gedenken. Wenn es aber um die Anerkennung der politischen Vision, um die sie kämpften, gehen soll, muss man äußerste Vorsicht walten lassen.

Meine Unruhe wird geweckt durch die Tatsache, dass die NSZ ein bewaffneter Verband gewesen ist, dessen politische Basis die ONR (das National-Radikale Lager) war, Herausgeber der Zeitschrift "Szaniec", in deren Ausgabe vom 29. Januar 1943 folgendes über die Vision des Nachkriegspolens zu lesen ist: "Im ersten Zorn fegen wir gewiss einen Teil unserer Feinde weg, einen anderen siedeln wir aus. (...) Wir sind nun zu der Überzeugung gekommen, dass kein Deutscher oder Jude, kein Ukrainer oder Litauer als unser Bruder angesehen werden kann, keiner von ihnen darf vollwertiger Bürger des zukünftigen polnischen Staates sein. (...) Wir sollten uns auch nicht vormachen, dass wir alle Feinde aussiedeln und nur die loyalen Mitglieder der Minderheiten bleiben. Auch nach den härtesten Aussiedlungen bleiben in Polen viele Deutsche, einige Millionen Russen unterschiedlichster Art, eine geschlossene Gruppe tierisch minderbemittelter Litauer, eine oder zwei Millionen germanisierter Schlesier, Oderlandbewohner, Masuren und Preußen. (...) Wir können nicht alle ermorden und vertreiben, wir können auch unter keinen Umständen allen Bürgerrechte gewähren. Was bleibt also? (...) Wir müssen rücksichtslos die unbegründete Gleichheit der Bürger zurückweisen."

Wir halten Menschen in Ehren, die für uns Vorbilder sind und mit deren Ansichten wir übereinstimmen. Sollten also die oben angeführten Ideen heute geehrt werden? Es geht hier ja nicht um eine Schirmherrschaft, sondern eher um einen andauernden Austausch der Ideen in solche, die heute als ehrenwert angesehen werden. Denn diese Ideen, geschickt gepriesen, schrittweise dosiert, finden langsam aber konsequent Eingang in den Kalender der Jahrestage, in die Schulbücher, Predigten in Kirchen, Vorträge, Lesungen, Straßenschilder, Denkmäler, Fernsehschirme und verändern damit den Verstand der Erwachsenen und die gerade erst gebildeten Wertesysteme unserer Kinder. Das kann den Inhalt und die Gestalt unserer Gesellschaft auf Jahrzehnte hinaus beeinflussen. Einige Schritte gegenüber der nationalen Minderheiten, wie z.B. ihre Aufnahme im Bericht über den Terrorismus oder die Kürzung der Deutschstunden in den Klassen 7 und 8, passen leider ebenfalls beunruhigend in diese Ideen. Haben wir Angst, denn vielleicht ist es die Angst, die zum Handeln animiert.

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