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Zeit für Straßennamen?

In Pressburg ging der 70. Kongress der FUEN, also der größten europäischen Organisation von nationalen und ethnischen Minderheiten, zu Ende. Die Organisation wählte einen neuen Vorstand, und Präsident wurde ein Ungar aus Rumänien, Vizepräsidenten wurden Deutsche aus Dänemark, Kroatien und Italien, eine Slowenin aus Österreich sowie ein Türke und Frise aus Deutschland. Das Präsidium der FUEN ist immer ein Abbild des kulturellen Reichtums Europas, worüber wir gern sagen, jeder siebte seiner Einwohner gehöre einer kulturellen Minderheit an.

Noch interessanter sind die Orte, die die Delegierten während der FUEN-Kongresse besuchen. Vor einer Woche was es die Slowakei, wo ich bislang nur die dortigen Karpatendeutschen kennengelernt habe. Doch nicht sie sind die größte nationale Minderheit, sondern die Ungarn, die vor allem entlang der Donau leben. Genau in diesem Gebiet an der Donau liegt die Stadt Dunajska Streda (dt. Niedermarkt), die ein positives Beispiel der Minderheitenpolitik ist. Man möchte viele Menschen aus Polen, vor allem Politiker zu einem Besuch der Stadt überreden, damit sie erkennen, welche Standards in Europa gelten können.

Klar sehen wir in der Slowakei einen Staat, der auf der Tradition der multinationalen und toleranten österreichisch-ungarischen Monarchie basiert und nicht auf dem Erbe der imperialistischen Mentalität des russischen Zarenreichs. Und doch ist es auch ein Staat, der den Sozialismus und die Erinnerung an die "Hilfe der Bruderstaaten" des Warschauer Paktes im Jahr 1968 in sich trägt. Auf den Ruinen dieses Systems, hat aber das Land Regeln aufgestellt, die erlauben, dass die Zweisprachigkeit sich in dieser Region nicht darauf beschränkt, neben dem slowakischen Stadtnamen auch den ungarischen - Dunaszerdahely - zu schreiben. Dort sind alle Straßennamen, alle öffentlichen Aufschriften (u.a. Rauchen verboten), die Busfahrpläne, Parkregeln und Aufschriften auf Müllcontainern zweisprachig. Also alles, was die Gemeinde verantwortet. Auch auf den meisten Geschäften, in der Firmenwerbung und bei Restaurantnamen, also überall, wo Unternehmer entscheiden können, findet man slowakische und ungarische Formulierungen. In der gesamten Region schreiben Eltern ihre Kinder nach Belieben in eine Schule mit slowakischer oder ungarischer Unterrichtssprache ein. Auf den Bürgersteigen hört man beide Sprachen und manchmal gehen die Einheimischen lieber ins Englische über als slowakisch zu sprechen. Hat aber irgend jemand von einem nationalen Konflikt in der Südslowakei gehört? Hat jemand von separatistischen Tendenzen nördlich der Donau gehört?

Ich erinnerte mich daran, wie viele negative Emotionen in Schlesien die Ortstafeln mit polnischen und deutschen Namen ausgelöst haben. Wie viele von ihnen wurden übermalt oder zerstört. Es sind nun 10 Jahre vergangen, seitdem die ersten Tafeln in Radłów/Radlau aufgestellt wurden, heute gehören sie einfach zur Landschaft dazu und es scheint, als würden sie abgesehen von einem Überraschungseffekt von Zeit zu Zeit keine negativen Emotionen auslösen. Sie wurden also zu einem Element, das die Toleranz für die kulturelle Vielfalt stärkt. Und doch können wir nicht in Erfahrung bringen, warum Anträge für zweisprachige Schilder von weiteren vier Gemeinden seit Langem im Innenministerium auf eine Entscheidung warten.

Dabei sollten wir im Prozess der Stärkung der deklarierten Achtung der kulturellen Vielfalt nicht Halt machen. Ist es nicht Zeit geworden, um in den Gemeinden über zweisprachige Straßenschilder nachzudenken? Und sollten Unternehmer nicht erwägen, ihre Firmenschilder zweisprachig anzubringen? 

  • Publiziert in Blogs

Der FUEN Kongress zum 70. Jubiläum hat in der Slowakei begonnen

Am 13.06.2019 wurde der FUEN Kongress zum 70. Jubiläum in der Slowakei mit den Begrüßungsworten im Schloss Pezinok offiziell eröffnet. Angesichts der gastgebenden Organisation der Partei der Ungarischen Gemeinschaft in der Slowakei verkündete deren Präsident Dr. József Menyhárt einige Worte. "Wir wollen nicht als Minderheit bezeichnet werden, denn wir sind eine stolze Nationalität. Obwohl wir politische Meinungsverschiedenheiten haben, haben wir gemeinsame Ziele, wie die Aufrechterhaltung der Bildung in unserer Muttersprache. Slowakische Ungarn haben mit vielen Unterschriften zum Erfolg der Minority SafePack Initiative beigetragen."

Dr. Ondrej Pöss, Präsident des Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei, begrüßte auch die Anwesenden und sagte in seiner Rede: "Wir schätzen unsere Herkunft, und wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Großeltern mit Verletzungen ihrer Menschenrechte und starken Assimilationsprozessen konfrontiert waren. Organisationen wie die FUEN tragen dazu bei, dass solche Dinge nicht wieder passieren."

Joachim Bleicker, Botschafter Deutschlands in der Slowakei, merkte an, die EU-Mitgliedschaft der Slowakei habe dazu beigetragen, dass sich die Beziehung der Karpatendeutschen Gemeinschaft zu Deutschland intensiviert hat. "Aber die Herausforderungen bleiben bestehen: In letzter Zeit hören wir viel über die Stärkung der Nationalstaaten in der EU. Das bringt den Minderheiten selten etwas Gutes."

Valentin Inzko, Hochkommissar für Bosnien und Herzegowina, sprach über seine Arbeit und seine Erfahrungen. "Wann immer Politiker sagen, ein friedliches Zusammenleben sei nicht möglich, beweisen die Menschen, dass sie sich irren. Meine Botschaft an die FUEN ist es, die Arbeit fortzusetzen, die sie vor 70 Jahren für das friedliche Zusammenleben von Minderheiten und Mehrheiten begonnen hat."

William Romans, Senior Legal Advisor im Namen des Hohen Kommissars für nationale Minderheiten der OSZE Lamberto Zannier, sagte: "Die FUEN ist in der Welt der internationalen Organisationen, einschließlich der OSZE, bekannt und respektiert. Es ist schwer, ihre harte Arbeit und ihren Enthusiasmus zu schätzen."

An dem FUEN Kongress nahmen u.a. die Vertreter der deutschen Minderheit in Polen Herr Bernard Faida, Herr Rafał Bartek und Frau Katrin Koschny, teil.

 

Quelle: https://www.fuen.org/de/news/einzelansicht/article/fuens-70-year-anniversary-congress-has-started-in-slovakia/

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Kandidaten zum EU-Parlament der Andrzej Buła aus Oppeln und Marek Plura aus Kattowitz erhielten eine Unterstützung der Organisationen der deutschen Minderheit

Die Wahlen zum Europäischen Parlament finden am 26.Mai 2019 statt. Infolge dessen wendet sich der Präsident der Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) Herr Loránt Vincze, erneut mit Vorschlägen und Fragen an die politischen Parteien und ihre Kandidaten in den Europawahlen. Zum Mitglied der FUEN in Polen gehört u.a. der Verband deutschen Gesellschaften in Polen.

Keine Partei nahm Bezug auf die Vorlagefrage, hingegen antworteten die Kandidaten Andrzej Buła und Marek Plura im eigenen Nahmen, sowie erhielten eine Unterstützung vom Regionalstruktur der deutschen Minderheit. 

Im Anhang präsentieren wir eine Erklärung von dem Mitglied des Europäischen Parlaments, Herrn Marek Plura, der auf die Fragen geantwortet hat. Eine Vereinbarung der Unterstützung von dem Kandidat zum Europäischen Parlaments, Herrn Andrzej Buła und die Vorschläge und Fragen zum Europawahlen:

 

  • Publiziert in Politik

Wahlprüfsteine der FUEN in Bezug auf Europawahlen

Die letzten Wahlen zum Europäischen Parlament fanden im Jahre 2014 statt.

Infolge dessen wendet sich die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) erneut mit Vorschlägen und Fragen an die politischen Parteien und ihre Kandidaten in den Europawahlen. Im Anfang finden Sie zudem den „Pakt zwischen Minderheit und Mehrheit” und das Dokument der „Minority SafePack Initiative”.

  • Publiziert in Politik

Bericht vom Ukraine-Besuch der FUEN-Delegation

Am 22. und 23. März fand ein Besuch einer FUEN-Delegation in der Ukraine statt. Teilnehmer war unter anderem VdG Vorstandsvorsitzender und AGDM-Sprecher Bernard Gaida. Die Reise war nicht nur Gelegenheit mehr über die allgemeine Lage der Minderheiten in der Ukraine, sondern auch über die Deutschen vor Ort zu erfahren.
  • Publiziert in Politik
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