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Niederlage des Staates und der Minderheit

Als ich Unterlagen für die bevorstehenden Gespräche des Deutsch-Polnischen Runden Tisches vorbereitet habe, habe ich mich wieder mit der Bildungsstrategie der deutschen Minderheit beschäftigt. Ich erinnerte mich an die einzelnen Treffen voller leerer Worte und der Zurückweisung unserer Vorschläge durch die Regierungsseite aus "formalen" Gründen. Wir haben uns zwar mit der Aktualisierung und Vertiefung des schwachen Dokuments beschäftigt, aber jeder Versuch einer radikaleren Veränderung, die Änderungen in einzelnen Gesetzen oder dem Haushalt benötigen würden, ist gescheitert. Es kam heraus, dass alle Seiten damit einverstanden waren, dass der Deutschunterricht ineffektiv und teuer ist, sowie keine Garantie gibt, die Sprache wirklich zu erlenen. Es gab aber kein Einverständnis z. B. für eine zusätzliche Finanzierung des Prozesses der Gründung von Vereinsschulen in Trägerschaft der Deutschen Minderheit. Es gab kein Einverständnis für eine Garantie seitens der Regierung, dass eine Schule oder zumindest eine zweisprachige Klasse in den Gemeinden entstehen wird, in denen laut Volkszählung mindestens jeder zehnte Bewohner sich als Deutscher deklariert hatte. Es gab keine Verpflichtung der Regierung pädagogische Institute an Hochschulen zu gründen, die Lehrer zum Unterricht einzelner Fächer in deutscher Sprache vorbereitet hätten. Solcher Mängel könnte man mehr aufweisen. Mit Begeisterung wurde dagegen die Bereitschaft der Organisationen der deutschen Minderheiten zu einer Reihe von Maßnahmen aufgenommen, wie z. B. Gründung von Bildungszentren. Als aber herauskam, dass die Regierungsseite die Unterstützung für derlei Projekte auf die Beratung seitens der Kuratorien beschränken will, haben die Vertreter der deutschen Minderheit die Unterzeichnung eines solchen Dokuments abgelehnt. Er blieb also einseitig signiert durch den Minister und ist wohl die einzige Bildungsstrategie einer Minderheit ohne Unterschrift der Seite, der sie eigentlich gewidmet ist.

Es wundert also nicht, dass sowohl die Regierung als auch die Organisationen der Minderheit dem Dokument wenig Gewicht beimessen. In den Prozess der Bildung dieses nichts bedeutenden Dokumentes kam erst Leben, als ich die Beamten und Minister erinnert habe, dass Polen die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen ratifiziert hatte, und somit sollte ihnen daran gelegen sein, den Inhalt der Regierungsstrategie an die Verpflichtungen anzugleichen, die aus der Charta hervorgehen. Wie ein Mantra wird bis heute wiederholt, dass Polen die Charta realisiert, während jeder Besuch der Experten des Europarates mit einer negativen Benotung endet und ein polnischer Wissenschaftler errechnet hat, dass während der 10 Jahre Polen lediglich 15,5 % der Verpflichtungen aus der Charta gegenüber der deutschen Minderheit erfüllt hat. Und das sieht man mit bloßem Auge, denn wäre die Charta realisiert, gäbe es in Oberschlesien öffentliche Schulen und Grundschulen oder auch Klassenzüge mit Deutsch als Unterrichtssprache, und Eltern könnten unter allen zugänglichen Schulen in der Region auch eine solche frei wählen.

Es bewegt mich die Frage, warum der Staat ein Dokument ratifizierte, das er nicht realisiert. Dagegen modifizieren wir lediglich ein damit nicht in Einklang stehendes System. Es kann Unbekümmertheit sein oder gezieltes Vorgehen. Es ist aber zweifellos ein Beweis für die Herangehensweise des Staates an die Minderheitenpolitik. Es ist aber auf jeden Fall eine Niederlage des Staates, die leider auch zu einer Niederlage der deutschen Volksgruppe in Polen auf dem Weg zum Erhalt ihrer Identität wurde. Nach meiner Kolumne "Homo sovieticus" habe ich gehört, wenn ich als Chef des VdG für diese Niederlage verantwortlich sei (sic!), ich kein Recht habe die Mitglieder aufzufordern, ihr kulturelles Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ich denke jedoch, je größer meine oder unsere Ratlosigkeit beim Thema der "deutschen Schulen" in Polen ist, um so wichtiger ist dieser Aufforderung.

  • Publiziert in Blogs

Resolution bez. Runder Tisch

Weitere Resolution bezüglich der geplanten Wiederaufnahme der Deutsch-Polnischen-Gespräche am Runden Tisch, die am 11. Mai 2019 von den VdG-Delegierten u.a. verabschiedet wurde.4 Resolution bez. Runder Tisch DE 1

4 Resolution bez. Runder Tisch DE 2

Im Anhang präsentieren wir das Wortlaut der verabschiedete Resolution in polnischer Sprache:

 

  • Publiziert in Politik

Der Deutsch–Polnische „Runde Tisch” Anfang 2019?

Am Donnerstag, den 13. Dezember 2018. fand in Berlin das Treffen des Außenministers Jacek Czaputowicz mit seinem deutschen Amtskollegen Heiko Maas statt. Das Treffen umfasste u.a. das Thema der Wiederherstellung des Deutsch–Polnische "Runden Tisches", der historischen Politik, der Kriegsreparationen und den UN-Sicherheitsrat.

  • Publiziert in Politik
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