Am Sonntag, dem 7. Juni 2026, fand die 31. Wallfahrt der nationalen und ethnischen Minderheiten auf dem St. Annaberg statt. Es handelt sich dabei um eines der wichtigsten religiösen und gemeinschaftlichen Ereignisse der deutschen Minderheit in Polen, zu dem seit Jahren Tausende von Gläubigen aus verschiedenen Regionen Polens zusammenkommen.
Die Wallfahrt auf dem St. Annaberg hat für die deutsche Minderheit eine besondere Bedeutung. Die erste Wallfahrt nach der politischen Wende fand dort am 2. Juni 1996 statt. Dabei wurde die Liturgie sowohl in deutscher als auch in polnischer Sprache gefeiert. Für viele Angehörige der Minderheit war dies ein bahnbrechender Moment, da sie gemeinsam während der Liturgie in der „Sprache des Herzens“ beten und singen konnten.

In diesen drei Jahrzehnten hat sich diese Wallfahrt zu einem starken Symbol des Glaubens und der Versöhnung entwickelt. In diesem Jahr nahmen ganze Familien, Kinder, Jugendliche, Angehörige von Minderheiten und alle Interessierten daran teil, um gemeinsam zu beten. Zu den Gästen zählten unter anderem der deutsche Botschafter – Miguel Berger, der Landesvorsitzende des Bundes der Heimatvertriebenen e.V. Landesverband Thüringen – Egon Primas, die Vizemarschallin der Woiwodschaft Oppeln – Zuzanna Donath-Kasiura sowie der deutsche Konsul in Oppeln – Peter Herr.
Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde auch auf den diesjährigen 35. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrags zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit hingewiesen. Die Bedeutung dieses Jubiläums hob Rafał Bartek, Vorsitzender des VdG, hervor, der in seiner Rede sagte:
Wenn wir uns die Bestimmungen des Vertrags genauer ansehen, finden wir genau hier ihr Spiegelbild. Das gemeinsame Gebet in polnischer und deutscher Sprache, das Zusammentreffen von Menschen verschiedener Generationen und Gemeinschaften, der Dialog und der gegenseitige Respekt zeigen, dass der Inhalt des Vertrags nicht nur Worte auf Papier sind. Dies alles ist Realität, deren Teil wir sind.
Die Wallfahrt begann mit der Begrüßung der Gäste und Pilger. Anschließend wurde in der Lourdesgrotte eine Eucharistiefeier abgehalten, deren Hauptzelebrant der Oppelner Bischof Andrzej Czaja war, der auch die Predigt hielt. Um 13:00 Uhr fand am Pilgerheim ein Festival der Kinder- und Jugendgruppen Deutscher Minderheit statt, bei dem 31 Gruppen ihre Fähigkeiten und Talente präsentierten (Die Ergebnisse des Wettbewerbs finden Sie HIER). Die Wallfahrt endete mit einer Andacht zu Ehren der Heiligen Anna in der Basilika, die von Pfarrer Matthäus Ruby aus der Diözese Magdeburg, Diakon Marek Dziony und Pfarrer Andrzej Anderwald geleitet wurde.
Ein besonderer Höhepunkt der Wallfahrt war die Danksagung an Pfarrer Piotr Tarlinski für seinen langjährigen Dienst und sein Engagement für die Entwicklung der Seelsorge für Minderheiten.

Die Veranstaltung wurde vom Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen und der Seelsorge der Nationalen und Ethnischen Minderheiten im Bistum Oppeln organisiert.
Die Veranstaltung wurde aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern (BMI) finanziert.