Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie kennen mich als den ehemaligen Vorsitzenden des VdG und unserer europäischen Struktur AGDM, aber ich war auch Vorsitzender des Gemeinderats, des Kreistags und stellvertretender Vorsitzender im Opellner-Sejmik, ich engagiere mich in Vereinsschulen, schreibe Artikeln. Wir sind alle Vorsitzende, Kommunalpolitiker, Lehrer, Angestellte in unseren Institutionen, aber vor allem sind wir überall öffentlich engagierte Deutsche. Ich möchte im Namen aller Ausgezeichneten und in meinem eigenen Namen für die Anerkennung unserer Bemühungen, unserer Arbeit für das Deutschtum in Polen und für die würdige Auszeichnung danken. Als ich auf die Liste der Namen schaute, die mir alle bekannt sind, bin ich besonders stolz darauf, dass ich mich in so einer herausragenden Gruppe von Menschen befinde, die sich seit Jahrzehnten für ein gemeinsames Ziel einsetzen, meist ohne Rücksicht auf Bezahlung oder Lob, und dabei ihre Zeit und Fähigkeiten opfern. Was war und ist es?
Der schwierige Kampf um die Wiederbelebung der deutschen Sprache, das Eintreten für eine ungeschönte Geschichte, der Aufbau von partnerschaftlichen deutsch-polnischen Beziehungen auf der Ebene von Schulen, Gemeinden, Regionen oder sogar der beiden Regierungen. Nach mehreren Jahrzehnten der permanenten Diskriminierung allem Deutschen gegenüber. Aber das wichtigste und schwierigste Ziel ist der Kampf um die deutsche Identität von uns selbst, unseren Nachkommen, in unseren Vereinen, Städten und Dörfern in Schlesien, Pommern, Ermland und Masuren. Die deutsche Identität von uns Schlesiern, Ermländer, Masuren oder Kaschuben, die jahrelang durch die Politik der Zwangspolonisierung unterdrückt wurde. Tausende sind ihr verfallen, viele sind vor ihr nach Deutschland geflohen. Wir haben uns ihr widersetzt, deshalb sind wir hier. Sie weckte unseren Widerspruch, und die Verteidigung war das Haus, in dem es nicht immer gelang, die Sprache zu bewahren, aber das Gefühl der Zugehörigkeit zum Deutschtum schon. Jeder hier stehende in verschiedenen Teilen unserer Minderheitenstrukturen teilte seine Identität, damit sie leben konnte.
Heute feiern wir den 35. Jahrestag der Gründung der VdG, der wichtigsten Organisation der deutschen Minderheit in Polen. Aber das ist kein Jahrestag der Gründung der deutschen Minderheit! Denn wir waren hier seit Jahrhunderten präsent, und das ist das Fundament unserer Identität. Die deutsche Sprache kann für uns keine Fremdsprache sein, egal in welchem Maße wir sie beherrschen. Fremd ist Englisch! Deutsch ist die Sprache unserer häuslichen Schubladen, unserer Geschichte, unserer nationalen Identität (auch wenn schlesisch sie begleitet) und muss auch die Sprache unserer Zukunft sein. Und das sind Kategorien, die geistig sind. Sie entziehen sich der Beobachtung, aber wenn wir eine solche Identität erreichen, ist sie hart wie Fels. Dieser Identität droht heute keine offene Diskriminierung, aber der versteckte Druck ihres Verlustes, ihrer Verwässerung betrifft uns und hängt von uns selbst, unseren Familien, Organisationen, Politikern, Lehrern ab, ob sie sich verteidigt.
Meinen Nachfolgern, uns allen wünsche ich, dass wir diese Bedrohung erkennen. Und schauen wir, dass wir öfter sagen „ich gehöre zur Minderheit“ oder „ich fühle mich als Deutscher“ anstatt einfach: ich bin Deutscher. Natürlich sind wir Schlesier, aber wir können eine „entdeutschte“ schlesische Identität, die uns real bedroht, für uns nicht akzeptieren. Denn als Deutsche, die Schlesier sind, zusammen mit den Bayern, Sachsen oder Siebenbürgern, sind wir gemeinsam Mitglieder der deutschen Kulturnation. Wir müssen das deutsche Element in der schlesischen Identität befestigen. Ich nehme diese Medaille als Anerkennung für das Engagement für eine solche Identität an und widme sie allen, die mich unterstützt haben, an der Spitze meine Frau, die ganze Familie, uns hier und allen, die sich ehrenamtlich für unsere deutsche Gemeinschaft einsetzen.
Bernard Gaida, Bad Salzbrunn, den 17.04.2026