Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlichen Dank für die Einladung, es ist mir eine große Ehre und eine tiefe Freude, heute hier in Oppeln bei Ihnen bei dem Jubiläumskonzert anlässlich des 35. Jahrestages des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages dabei zu sein.
Ein Jubiläumskonzert ist ein besonderer Rahmen: Musik ist eine Sprache, die keine Grenzen kennt, die keine Übersetzung benötigt und die dort Brücken schlägt, wo Worte manchmal nicht ausreichen.
Oder um Hania Rani zu zitieren „Musik schafft jene besonderen Momente, echter Begegnungen zwischen Menschen“.
Wenn wir auf das Jahr 1991 zurückblicken, dann erinnern wir uns an eine Zeit des Aufbruchs und dieser Vertrag ist weit mehr als ein juristisches Dokument, er war und ist ein Versprechen.
Ein Versprechen auf Versöhnung, auf gegenseitigen Respekt und auf eine gemeinsame Zukunft in einem vereinten Europa. Er markierte den bewussten Schritt weg von einer Geschichte – geprägt von Misstrauen und Leid – hin zu einer Partnerschaft auf Augenhöhe. Diese Partnerschaft wird vor allem dort sichtbar, wo die Menschen aus unseren beiden Ländern Seite an Seite leben – wie etwa in unseren Grenzregionen.
Für mich persönlich ist dieser Aspekt der Verständigung ein Herzensanliegen. Seit vielen Jahren meiner politischen Tätigkeit setze ich mich aus Überzeugung für die Belange der deutschen Minderheiten in Polen ein. Ganz konkret, zum Beispiel auch für die Unterstützung des Deutschunterrichtes hier an der Grundschule und dem Kindergarten des Vereins Pro Liberis Silesiae in Oppeln.
Die Vertreter unserer deutschen Minderheiten sind echte Brückenbauer: durch ihre doppelte Zugehörigkeit und ihre kulturelle Identität. Damit schaffen sie Verbindungen zwischen den Menschen, die stärker sind als politische Verträge. Sie sind das lebendige Bindeglied zwischen unseren Ländern.
Wir wissen alle: Versöhnung ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann besitzt. Versöhnung bedeutet, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen und gleichzeitig gemeinsam in die Zukunft zu blicken. Versöhnung ist ein immerwährender Prozess. Gerade auch mit Blick auf unsere gemeinsame europäische Zukunft, braucht es Sie alle auch als Brückenbauer und auch als Botschafter.
Dass wir heute hier in Oppeln zusammenkommen – in einer Region, die wie kaum eine andere für die Komplexität unserer gemeinsamen Geschichte steht –, ist damit auch ein starkes Zeichen.
Wir stehen in einer Zeit tiefer geopolitischer Erschütterungen. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat die Sicherheitsarchitektur unseres Kontinents grundlegend verändert. Er hat uns schmerzhaft gezeigt, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeiten sind.
Sie sind Güter, die wir schützen müssen. Die Situation in der Ukraine betrifft uns alle. In dieser Zeit der Krise ist eines klarer denn je: Das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen ist nicht nur „wichtig“ – es ist unverzichtbar.
Polen hat in den letzten Jahren eine beeindruckende 75 Führungsrolle eingenommen. Die Solidarität, mit der Polen die Menschen aus der Ukraine aufgenommen hat, und die Entschlossenheit, mit der Polen sich für die Verteidigung der Freiheit einsetzt, verdienen höchste Anerkennung.
Wenn wir über die europäische Sicherheit sprechen, wenn wir über die Zukunft der EU sprechen, dann ist gerade auch die Achse Berlin- Warschau ein zentraler Pfeiler der Stabilität. Wir müssen uns gegenseitig vertrauen, wir müssen eng kooperieren – nicht nur aus strategischem Kalkül, sondern aus der Überzeugung heraus, dass wir gemeinsam stärker sind.
Daher ist es auch wichtig, Formate wie den deutsch-polnischen Runden Tisch nachhaltig fortzuführen.
Ein besonderer Dank gilt
• Herrn Sejmmarschall Czarzasty für die Übernahme der Schirmherrschaft,
• der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) und
• den Künstlerinnen und Künstlern der deutschen Minderheiten für die hervorragende Vorbereitung des heutigen Konzerts.
Lassen Sie – gerade auch für unsere junge Generation – den Geist des Nachbarschaftsvertrags gemeinsam in die nächsten Jahrzehnte tragen und die Freundschaft zwischen unseren Völkern weiter vertiefen.
Ich wünsche uns allen einen schönen Abend und wunderbare musikalische Momente.
Vielen Dank!
Andrea Lindholz
Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
30. Juni 2026, Oppeln