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Auftrag in den sozialen Medien

Auftrag in den sozialen Medien Pixabay.com

Jeder erinnert sich an den Roman „Die Pest“ von Albert Camus. Die todbringende Epidemie weckte damals wie heute Ängste in medizinischer wie in existenzieller Dimension. Es gibt aber auch weitere Schrecken. Staus an den Grenzen, Verbote, die Häuser zu verlassen, Anwesenheitskontrollen unter der angegebenen Adresse, die Selbstorganisation der Gesellschaft bei gleichzeitiger Leistungsunfähigkeit der Regierung sind für die junge Generation neue Erfahrungen. Doch geschlossene Grenzen in unserem Teil Europas waren vor 30 Jahren noch keine temporäre Verschärfung sondern die Norm. Das Verbot von Auslandsreisen, ein Leben unter Kontrolle des Staates, Verbot von Versammlungen waren die Norm des sozialistischen Systems. Und das führte schließlich zur wirtschaftlichen Misere, Reglementierung von Waren und … Entwürdigung der Bürger. Der Fall dieses Systems wurde erkauft mit dem Tod vieler Menschen in vielen Ländern.

Wir können stundenlang von der damaligen Zeit erzählen - deshalb sollte man mit Bedacht Beschränkungen auferlegen und hinnehmen, da sie die Standards der Staatsformen ändern können. Man hört schon jetzt Befürchtungen, dass die Verschärfungen, die im Grunde Beschränkungen der Bürgerrechte sind, wegen der jetzigen Situation zur Norm werden könnten. Sie könnten von Politikern und Parteien ausgenutzt werden, die in dieser Krisenzeit ihre Chance sehen könnten, ihre Position zu stärken, auch gegen den Willen der Gesellschaft. Das betrifft nicht nur Polen. Es wird gemunkelt, dass Premierminister Orban sich die Möglichkeit sichern will, mithilfe von Dekreten regieren zu können. Dagegen ist die Entscheidung der Partei PiS vom vergangenen Samstag, die unter dem Mantel des so nötigen Rettungspaketes für die Wirtschaft Lösungen einführte, um behaupten zu können die Präsidentenwahl im Mai wäre möglich, ein klarer Beweis dafür. Sie riskiert ein so nötiges, wenn auch schwaches  Paket für die Wirtschaft für die eigenen Interessen der Partei.

Die und andere Situationen zeigen, wie einfach es durch totale Isolation ist nicht nur die Wirtschaft zu zerstören, sondern auch die Demokratie. Je mehr Isolation der Staat einführt, desto mehr muss man ihm auf die Finger schauen.  Und dann sieht man, wie wichtig soziale Medien sind. Von dort erfahren wir von immer neuen Bürgermeistern, die sagen, dass sie in Zeiten der Epidemie in ihren Gemeinden die Wahlen nicht organisieren werden.  In die Netzwerke wandert auch die Seelsorge. Es entstehen Gebetgruppen, zum Standard wird die Übertragung der Heiligen Messen über Facebook und youtube.

In normalen Zeiten gibt es bei uns Pfarrgemeinden, in denen trotz Bedarf die deutschsprachigen Messen nicht gelesen werden und nun haben wir eine ganze Palette. Zu einem wahren Hit wurde das gemeinsame Gebet um 20.00 Uhr über die Seite  streaming.airmax.pl/kamienslaski. Dort beten zusammen mit Pfr. Dr. Peter Tarlinski über 2000 Menschen nicht nur aus Polen, Deutschland oder Österreich, sondern auch aus Tschechien, der Slowakei und dem ukrainischen Odessa.

Letzte Änderung am Mittwoch, 01 April 2020 15:38
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