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Bernard Smolarek

Bernard Smolarek Foto: Archiv Bernard Smolarek

Immer, wenn jemand stirbt, der mir auf die eine oder andere Weise nahe stand, versuche ich, ihm meine Kolumne zu widmen. Bernard Smolarek konnte ich nur dank der deutschen Minderheit kennenlernen. Es ist diese Gemeinschaft, die unsere Wege kreuzte, und zwar gleich zu Beginn, also vor 30 Jahren.

Er widmete sich voll und ganz der Gründung der Organisation und ihrer Strukturen in der heute nicht mehr existierenden Woiwodschaft Tschenstochau, ich hingegen engagierte mich in den Aufbau der ersten lokalen Selbstverwaltung in Guttentag. Smolarek hatte Erfolg in einer Woiwodschaft, in der nur ein kleiner Teil zu Schlesien gehört. Als Organisation haben wir sogar die „Oppelner“ deutsche Minderheit überholt. Die Selbstverwaltung war ihm ebenso nahe. Im Jahr 1998 wurden wir beide Räte des ersten Kreistages in Rosenberg. Damals gestaltete sich unsere fast tägliche Zusammenarbeit nahezu selbstverständlich.

Bernard Smolarek war für mich der Inbegriff der schlesischen Eigenschaften. Er war ein ruhiger, sogar stiller Mensch, der sympathisch, manchmal sogar etwas geheimnisvoll lächelte, dabei aber sehr arbeitsam und effektiv war. Der beste Beweis für seine Effektivität ist die in Rosenberg stehende sog. zweisprachige Schule, die dank Fördergeldern aus Deutschland und der tiefen Überzeugung Smolareks entstehen konnte, der meinte, das erste, was Schlesier nach Jahren der sprachlichen und kulturellen Diskriminierung bräuchten, wäre die Rückkehr zur deutschen Sprache. Nur durch die Sprache könnten die deutschen Schlesier ihre Identität bewahren. Mit seiner Überzeugung steckte er sowohl deutsche als auch polnische Beamte an. Aber gelang es ihm auch, die Schlesier selbst zu überzeugen? Die Schule existiert, aber die Stadtherren von Rosenberg, denen sie übergeben wurde, sollten einmal nachdenken, ob und in welchem Maß sie noch das Erbe ihres Gründers, Bernard Smolarek, realisiert. Es ist die einzige Schule, die die Bundesrepublik Deutschland für das Schulwesen der deutschen Minderheit gebaut hatte.

Nach der Gebietsreform wurde es auch Zeit für Änderungen in der deutschen Minderheit selbst. Es war für Smolarek sehr schwer, die Entscheidung der Mehrheit anzunehmen, dass nach der Abschaffung der Woiwodschaft Tschenstochau und der Angliederung des Kreises Rosenberg an die Woiwodschaft Oppeln auch die von ihm gegründete Organisation der Minderheit in der Oppelner SKGD aufgehen sollte. Er stand dafür ein, als eigenständige Organisation weiter zu machen. Obwohl ich damals für die Vereinigung gewesen bin, stelle ich mir heute die Frage, ob nicht doch Smolarek recht hatte und ob die deutsche Minderheit in Landsberg, Guttentag oder Lublinitz heute nicht stärker wäre, wenn ihre Zentrale in Rosenberg läge.

Er aber hörte auf die Menschen, achtete sie und hielt nicht hartnäckig an seiner Meinung fest. Dies führte dazu, dass man ihn bis zum Lebensende achtete und er in Rosenberg eine Autorität gewesen ist. Für mich wird er auch eine Autorität bleiben.