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Die deutsche Minderheit äußert sich kritisch zur Feier des 100. Jahrestages des Dritten Schlesischen Aufstandes. "Keine Chance für echte Versöhnung ergriffen"

"Der runde Jahrestag wurde nicht genutzt, um zu versuchen, die schwierige Geschichte dieses Landes tatsächlich zu versöhnen und anzuerkennen" (Lucjan Dzumla).

Die allgemeine Einschätzung der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag des Dritten Schlesischen Aufstandes am Sonntag bleibt in den Augen der deutschen Minderheit kritisch. Der Vorsitzende des VdG, Bernard Gaida, und der Direktor des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, Lucjan Dzumla, sprechen über die Feierlichkeiten auf dem Annaberg am 2. Mai 2021.

Der Text von Krzysztof Ogiolda erschien in der Nowa Trybuna Opolska.
Der volle Inhalt (in polnischer Sprache) HIER.

  • Publiziert in Medien

Gedenkort 1921

Das aus Sicht des Staates wichtigste Datum der Feierlichkeiten zu 100 Jahren Schlesischer Aufstände, also der Jahrestag des Ausbruches des III. Aufstandes, liegt hinter uns. Das Internet ist voll unterschiedlicher Kommentare. Außerhalb der offiziellen Feierlichkeiten, die ich nur als Radioübertragung gehört habe, nahm ich an diesem Tag am Gedenken auf dem Annaberger Friedhof sowie in Kranowitz teil. Ich denke, bei der Bewertung dieses Tages muss man die symbolischen Feiern, die von der deutschen Volksgruppe in Schlesien und die mit Pomp organisierten offiziellen Feierlichkeiten einander gegenüberstellen. Kann man daraus Lehren für die Zukunft ziehen?

Ich schreibe diese Kolumne natürlich aus der Sicht des VdG, dessen Vorsitzender ich bin und der als Organisation bereits im Jahr 2019 an die staatlichen Organe appellierte zu erkennen, dass damals Schlesier sich gegenüberstanden, aber sowohl die einen als auch die anderen taten es aus Liebe zum Vaterland. In unserer Resolution appellierten wir, die Jahrestage im gesellschaftlichen Einvernehmen und mit Achtung für das Geschichtsbewusstsein der anderen Seite zu begehen sowie in Schlesien einen Gedenkort des damaligen Konfliktes zu errichten, der im Geist der regionalen sowie deutsch-polnischen Versöhnung mit europäischer Perspektive gehalten wäre. Der aus der Umgebung von Rosenberg stammende Bischof Andrzej Czaja zeigte sich mit der Resolution solidarisch, was wir dankbar anerkennen.

Doch die Organisatoren der offiziellen Feierlichkeiten haben den Appell der deutschen Minderheit eher nicht angenommen. Unsere Feierlichkeiten fanden daher parallel statt, jedoch nicht nach dem Modell, dass jeder seiner Opfer gedachte. Denn unsere Delegation erwies die gleiche Ehrbezeigung auf den Gräbern der deutschen Verteidiger Oberschlesiens wie der polnischen Aufständischen. Bei den offiziellen Feierlichkeiten nahm der Appell Gestalt an lediglich in Form eines Gebetes für Gefallene ungeachtet ihrer Nationalität, nicht aber als gleiche Ehrerbietung auch für die Haltung der die Integrität Deutschlands verteidigenden Kämpfer. Mit Oberschlesien innerhalb seiner Grenzen.

Diese Tatsache kann man mit Resignation hinnehmen. Man kann aber auch den Weg der eigenen Bestärkung in der deutschen Identität und des historischen Gedächtnisses Oberschlesiens wählen, um von ihr zeugen zu können. Heute gibt uns die Volkszählung die Möglichkeit eines solchen Zeugnisses. Am Sonntag dagegen, als ich im strömenden Regen zwischen denen stand, die ihr Leben hingegeben haben, um Oberschlesien von Deutschland zu trennen, und denen, die wollten, dass es dort bleibt, fühlte ich, dass wir einen Ort des gemeinsamen Gedenkens bauen müssen, den Schlesien nicht hat. Und dass die Deutschen in Schlesien dazu reif geworden sind. Ein symbolischer Ort, der aller Opfern gedenkt, von der Tragik der Teilung, von Versöhnung in Vielfalt und der in regionaler Gemeinschaft für die Zukunft zeugt. Tun wir es!

Bernard Gaida

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Unterschiedliche Geschichtswahrnehmungen aus polnischer und deutscher Perspektive - ein Gespräch im Radio Opole

Die Initiative, eine neue Gedenktafel auf dem Denkmal in Oberglogau zu platzieren, versehen mit der Inschrift "Zu Ehren der polnischen Patrioten. Die Bewohner der Gemeinde Oberglogau" ist ein weiterer Aspekt der Diskussion über die Form des Gedenkens an die Opfer des Dritten Schlesischen Aufstandes. Dr. Marek Mazurkiewicz, Forscher am Institut für Politikwissenschaft der Universität Opole und am Staatlichen Wissenschaftsinstitut – am Schlesischem Institut in Oppeln, sprach für das Radio Opole über die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Geschichte aus zwei Perspektiven: aus der polnischen und der deutschen.

"Wenn ich die Initiativen und Tätigkeiten der deutschen Minderheit beobachte, sehe ich eher, dass diese Gemeinschaft nach einer gewissen Universalisierung von Erfahrungen oder historischen Ereignissen strebt. Die unangenehmen und turbulenten Ereignisse, die sich in Europa abspielten und eine Episode in Schlesien hatten, waren auch für seine Bewohner verletzend oder schmerzhaft. Ich würde hier nicht nach Handlungen suchen, die im Gegensatz zu polnischen Feierlichkeiten stehen würden, und versuchen, die Gemeinschaft der Region und insbesondere in diesem heiklen Aspekt des kollektiven Gedächtnisses zu verärgern. Die deutsche Minderheit hat diese Schwierigkeit vor sich, über ihr kollektives Gedächtnis zu sprechen, über ihre Optik, und dabei das so zu äußern, dass es nicht im Gegensatz zur polnischen Perspektive steht. Es gelingt nicht immer, dies diplomatisch zu erreichen. Sensibilität auf beiden Seiten ist der Weg, um alle Probleme zu lösen – glaubt der Wissenschaftler des Schlesischen Instituts und der Universität von Opole."

Vollständige Aufnahme des Gesprächs (in polnischer Sprache) auf der Website von Radio Opole HIER.

  • Publiziert in Medien
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