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"Auf den Spuren der Vergangenheit" – Filmvorführung mit Diskussion

Am 09.09.2021 fand im Museum der Stadt Myslowitz das erste Treffen mit Filmemachern und Schauspielern des durch die Medien des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen produzierten Filmes „Auf den Spuren der Vergangenheit. Arbeitslager in Oberschlesien nach dem II. Weltkrieg“. Es folgte die erste öffentliche Vorführung des Films vor dem Publikum mit anschließender Diskussion. Als VdG möchten wir uns beim Direktor des Museums und bei den Mitarbeitern herzlich für das Engagement bedanken, sowie für die Möglichkeit, ein solches Treffen in der im Film erwähnten Stadt zu organisieren. Unser Dank geht auch an Herrn Dawid Smolorz, an Marek Dworaczyk und an alle Gäste, die sich aktiv an der Diskussion beteiligt haben.

"Auf den Spuren der Vergangenheit" - Aufführung des Filmes / "Śladami przeszłości" - pokaz filmu "Auf den Spuren der Vergangenheit" - Aufführung des Filmes / "Śladami przeszłości" - pokaz filmu "Auf den Spuren der Vergangenheit" - Aufführung des Filmes / "Śladami przeszłości" - pokaz filmu

Zugleich möchten wir zu einer weiteren Vorführung des Films einladen, die bereits am 21.10.2021 um 17.00 Uhr in Beuthen/Stollarzowitz stattfindet. Eingeladen sind sowohl Angehörige der deutschen Minderheit vor Ort als auch alle, die sich für dieses Thema interessieren. Aufgrund der Pandemie bitten wir um das Einhalten der sanitären Sicherheitsmaßnahmen. Während der Veranstaltung gilt Mundschutzpflicht.

"Auf den Spuren der Vergangenheit" - Einladung / "Śladami przeszłości" - zaproszenie

Die Online-Prämiere des Filmes fand am 31. Januar 2021, am Tag der Oberschlesieschen Tragödie, statt. Mehr Informationen über die Produktion sowie den direkten Link dazu finden Sie HIER

Stehen Sie zu Ihrer Identität!

In der Dobrudscha (rumän. Dobrogea, türk. Dobruca), am Donaudelta, gibt es ein Dorf, das 1840 von Deutschen gegründet wurde. Es wurde Malkotsch genannt. Heute heißt es Malcoci und es gibt dort keinen einzigen Deutschen. Von den Gründern sind nur eine Kirche, eine Schule und einige von heutigen Bewohnern bewohnte Gebäude übriggeblieben.

Im 19. Jahrhundert war es das Osmanische Reich, das den katholischen Deutschen in Russisch-Bessarabien die Befriedigung von Landhunger, Religionsfreiheit und Befreiung vom Militärdienst ermöglichte. Tatsächlich verließen sie Russland, nachdem der neue Zar den deutschen Siedlern befohlen hatte, wie alle seine Untertanen beim Militär zu dienen. Die Kirche und die deutsche Schule wurden auf Generationen hin zum Grundpfeiler der Identität. Neben Malkotsch gründeten sie eine Reihe weiterer Dörfer oder Dorfteile. In der Türkei, und später auch in Rumänien, waren die Deutschen einträchtig benachbart mit Türken, Tataren, Bulgaren, Russen und Rumänen, wo ein Minarett und ein hoher Kirchturm neben den Kuppeln einer orthodoxen Kirche stehen. 

So lebten sie bis 1940, als sie im Rahmen der Aktion „Heim ins Reich“ vollständig in die Region Posen umgesiedelt und auf Bauernhöfen untergebracht wurden, die zuvor den Polen genommen worden waren. Im Jahr 1840 kamen 25 Familien in die Dobrudscha, und ein Jahrhundert später umfasste die Umsiedlung 1.100 Menschen. Ihre Flucht vor der Front führte sie 1945 aus dem sog. Warthegau in das heutige Deutschland. In Malkotsch/Malcoci sah ich nur noch die Mauern einer Kirche ohne Dach, einen Kirchturm mit einem umgestürzten Kreuz und ein paar auf einen Haufen geworfene deutsche Grabsteine, und zwischen dem Tor und dem Eingang der Kirche, wo die Tür halb offen hängt, pflanzt jemand beharrlich Blumen zu beiden Seiten. Als ob man die Konturen einer Allee bewahren möchte. Auf dem Kirchturm wohnen Tauben als Synonyme für den Heiligen Geist.

Die Dorfschule dient immer noch Kindern, im heutigen Malcoci hat sie Verwendung gefunden, während die katholische Kirche ohne Katholiken die ihre verloren hat. In der Nähe ragt nämlich eine hohe orthodoxe Kirche zwischen den Dächern empor, denn das Dorf ist heute orthodox. So schnell verschwindet eine Gemeinschaft und mit ihr auch alle Spuren von ihr. Dort in Malkotsch wurden sie von der Katastrophe eines Krieges hinweggefegt, und in diesem Punkt ähneln die Ruinen der Kirchen in der Dobrudscha den Ruinen und verlassenen Friedhöfen in Schlesien, Pommern, Ermland oder Masuren, doch im übertragenen Sinne ist zu sehen, dass, wenn eine deutsche Gemeinschaft nicht an ihrer Identität festhält, sie durch eine andere ersetzt wird. Daran sollten wir bei der noch laufenden Volkszählung denken.

Bernard Gaida

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Tod wegen eines Liedes

Am vergangenen Samstag (26.06.) fand in Beuthen die Premiere des Films „Beuthen 1945. Tragische Kindheit in Oberschlesien“ statt. Der Film wurde produziert vom DFK Beuthen und ist die Aufzeichnung von Zeitzeugenberichten von Menschen, die 1945 Kinder im unterschiedlichen Alter, zwischen einem und 14 Jahren, waren. Dank jahrelanger Bemühungen um die Geschichte, die jahrzehntelang verborgen blieb, wissen wir (obwohl immer noch nicht aus Schulbüchern) von den Nachkriegslagern für Deutsche, von Deportationen in die Sowjetunion, von Tausenden vergewaltigter Frauen, von Plünderern …, aber immer wieder erfahren wir in Berichten von Ereignissen, die einen neuen Blick auf die damalige verbrecherische Zeit des Nachkriegsfriedens bieten. 

In einem Dorf bei Beuthen fand ein Tanzabend statt, bei dem die Jugend im freudigsten Moment das deutsche Lied anstimmte „Schön ist die Jugend”. Dann passierte es blitzschnell: Jemand denunzierte die jungen Menschen bei der Miliz, die auch kam, sich aber wegen der Überzahl der Dorfbewohner beim Tanzabend schnell wieder zurückziehen musste. Leider sind die Milizionäre in der Nacht zu einem jungen Teilnehmer des Tanzabends gekommen und haben ihn zur Wache transportiert, wo sie ihn nach mehrstündiger Folter umgebracht haben. Einige Tage später wurde das von der Miliz streng bewachte Begräbnis des jungen Mannes zu einer Demonstration der Menschenmenge, die beim Herablassen des Sargs in das Grab das Lied „Schön ist die Jugend” anstimmte. Ein Lied, das nicht nur seine Jugend, sondern auch sein Leben beendet hatte.

Ich bekam Gänsehaut, als ich diesen Bericht im Beuthener Film gehört habe. Und das zeigt, dass wir weiterhin die Pflicht haben, die Zeitzeugenberichte zu sammeln. Meine Überzeugung bestärkte auch mein Besuch des Berliner Dokumentationszentrums „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, in dem vielleicht solche Berichte existieren, aber nicht in die Ausstellung übernommen wurden. Und wenn nicht, bleiben sie weiterhin im Verborgenen, zugänglich nur für Wissenschaftler und Hobbyhistoriker, aber nicht für die breite Öffentlichkeit. Die Zeit vergeht und man muss die Berichte sammeln.

Aber noch eines wurde in diesen Berichten sichtbar. Die meisten von ihnen wurden auf Polnisch oder Schlesisch aufgenommen, doch aus allen hörte man die authentische deutsch-oberschlesische Identität heraus. Dieses unzertrennliche Band, das heute in Schlesien viele Gegner hat, zeigt sich in den Berichten als etwas so Natürliches wie die Luft, die wir atmen.

Und zum Schluss: Das Lied, das den jungen Schlesier das Leben gekostet hatte, entstand ca. 1820 im hessisch-thüringischen Grenzgebiet, es wird aber im gesamten deutschen Kulturkreis gesungen. Auch in Schlesien, Pommern, Ermland oder Masuren. Auch heute noch.

Bernard Gaida 

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"Hier durften wir bleiben / Tutaj możecie sobie mieszkać" – Publikation nach der Konferenz

"Der Krieg zeigte, dass vom Leiden und Schmerz Menschen aller Nationalitäten betroffen waren und von der Erinnerung daran niemand ausgeschlossen werden sollte. Dieser Satz wurde in der Entschließung zur Erinnerung an den 80. Jahrestag des Ausbruches des 2. Weltkrieges inbegriffen, die vom Verbandsrat am St. Annaberg am 11. Mai 2019 verabschiedet wurde. Diese Worte waren als Leitthema des Jahres 2020, das mit dem 75. Jahrestag des Kriegsende wiederum verbunden war."

Für 2020 hat der Verband der Deutschen Soziokulturellen Gesellschaften in Polen eine Reihe von Veranstaltungen zum Gedenken an die Tragödie der deutschen Bevölkerung im Nachkriegspolen geplant. Aufgrund der Pandemie konnten die meisten nicht realisiert werden. Es fand jedoch eine Konferenz auf dem St. Annaberg statt, die sich mit dem Schicksal der deutschen Bevölkerung im Nachkriegspolen befasste. Ein bleibendes Fußabdruck der Konferenz ist die Veröffentlichung "Hier durften wir bleiben / Tutaj możecie sobie mieszkać", mit Texten, die von Referenten gehalten werden.

In der Einführung lesen wir:

Die Konferenz wurde im breiten Spektrum der Definition der Tragödie veranstaltet und sie erweiterte diese Definition nicht nur im territorialen aber auch sachlichen Bereich. Die Referenten haben sich nicht nur mit dem Nachkriegsdrama – Arbeitslager für die Deutschen, Deportation oder Vertreibung befasst. Der Inhalt der Vorträge wies auch auf den politischen und kulturellen Kampf mit dem Deutschtum hin, der offiziell bis 1989-90 andauerte. Es war ein Kampf mit der Sprache, Kultur, Geschichtsüberlieferung, dem Deutschtum, der als Ziel hatte, die Nationalität und Identität auszurotten. Die Referenten befassten sich mit der Diskriminierung der Deutschen in Schlesien, Pommern, Ermland und Masuren und mit deren Folgen, die oftmals bis heute
dauern.

Die Publikation ist im Sitz des VdG erreichbar. Kontaktieren Sie uns, um sie zu erhalten; möglich ist auch Postversand.

Leseprobe: 

"Hier durften wir bleiben / Tutaj możecie sobie mieszkać" – publikacja pokonferencyjna

"Hier durften wir bleiben / Tutaj możecie sobie mieszkać" – Publikation nach der Konferenz

Herausgeber: Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen
Koordinatorin des Projektes, Redaktion: Monika Wittek
Übersetzung: Waldemar Gielzok, Piotr Żwak
Finanzierung: Konsulat der Bundesrepublik Deutschland Oppeln
Ministerium des Innern und Administration in Warschau

  • Publiziert in VdG

Mai-Reflexionen

Hinter uns liegt eine von Jahrestagen und Feierlichkeiten erfüllte Woche. Über den Jahrestag des Ausbruchs des III. Aufstandes wurde schon viel geschrieben. Die Maitage sind aber auch Jahrestage des Endes des Zweiten Weltkrieges. Nur wenige Tage trennen diese Jahrestage voneinander und als ich über die Nähe dieser beiden Daten nachgedacht habe, erkannte ich, wie tragisch die Generation meiner Urgroßeltern gewesen ist, die bewusst zwei Weltkriege miterlebt haben, aber auch hier in Schlesien ihre dramatischen Folgen ertragen mussten. Irgendwie waren die Sieger immer weit weg, in Paris, Warschau oder Moskau. Die tragischen Folgen ihrer Siege trafen die einfachen Menschen hier auf schlesischem Boden.

Denn der Ausbruch des III. Aufstandes war unzertrennlich verbunden mit dem Versailler Vertrag, dem es nicht unbedingt gelungen ist, in Europa Frieden einzuführen, wenn schon zwei Jahre nach dessen Unterzeichnung der Aufstand Realität wurde. Heute wissen wir, dass die gemeinsamen Interessen Polens und Frankreichs der Nährboden für den Konflikt waren, doch noch besser zeigt die Schwäche des Vertrages die Tatsache, dass bereits 20 Jahre später in Europa ein noch schrecklicherer Krieg tobte.

In Schlesien endete keiner der Kriege mit Frieden, beide führten zu Grenzverschiebungen, beide zwangen zunächst Hunderttausende, dann Millionen Menschen zur Flucht, Aussiedlung und endeten mit einem Trauma der Vertriebenen. Propagandistische Slogans von einer Befreiung klingen hier also falsch.

Doch diese Gedanken erleichtern mir den Blick auf andere, manchmal unterschätzte und vergessene Maifeierlichkeiten. Wer erinnert sich denn daran, dass am 5. Mai 1949 der Europarat entstanden ist und am 9. Mai 1950 Robert Schumann, damaliger französischer Außenminister, in Paris eine Deklaration aussprach, die zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl führte, dem ersten Stadium der heutigen Europäischen Union. Das zweite Datum ist heute als Europatag bekannt, und es verdient diesen Namen, denn es war eine Gemeinschaft, deren Mitbegründer Staaten waren, die sich noch fünf Jahre zuvor brutal bekämpft hatten.

Vor dem Hintergrund des Europatages, der zu Ehren des Aufbaus von Einigkeit statt Feindschaft, der Überwindung des Hasses und des Ballastes der Vergangenheit, des Baus einer freundschaftlichen Zusammenarbeit ausgerufen wurde, ist die Feier des Ausbruchs eines blutigen, brudermörderischen Konfliktes und sogar eine unreflektierte Glorifizierung dieser Siege ein Anachronismus. Es sei denn, sie sind eine zeitlose, kluge Reflexion über das Opfer aller Gefallenen und eine Warnung vor Hass, Spaltungen und Politikern, die den Frieden und die gesellschaftliche Ordnung stören. Und an solchen fehlt es auch heute nicht.

Bernard Gaida

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"Vor 100 Jahren" - Beiträge zur Geschichte Oberschlesiens 1921

Am 2. Mai steht der 100. Jahrestag des dritten und letzten schlesischen Aufstandes an. Rund um die Veranstaltungen vor 100 Jahren werden Ausstellungen und Diskussionen organisiert und Publikationen zu diesem Thema erstellt (Überblick über Veranstaltungen und Publikationen hier). Die offiziellen Feierlichkeiten auf dem Berg Anna finden an diesem Sonntag statt.

Eine der Bottom-up-Initiativen sind die Beiträge lokaler Institutionen und Einzelpersonen. Anfang März haben wir über eine Reihe von Einträgen auf der Facebook-Seite des DFK Guttetag hier geschrieben.

Seit Kurzem gibt es auch auf dem Facebook-Profil von Waldemar Gielzok, dem Vorsitzenden der Deutschen Bildungsgesellschaft, Beiträge, die sich auf Ereignisse von vor 100 Jahren beziehen und sie aus einem anderen Blickwinkel beschreiben. Im ersten Eintrag lesen wir:

"Die Vorbereitungen für einen Militäreinsatz waren in vollem Gange. Ohne die Ergebnisse der Volksabstimmung abzuwarten und den Verlauf der Ereignisse im Ausland, d.h. im industriellen Oberschlesien, beeinflussen zu wollen, wurde am 11. Dezember 1920 in Kępno, in Großpolen, das Plebiszitische Verteidigungskommando (Dowództwo Obrony Plebiscytu DOP) gegründet. General Kazimierz Raszewski und Wojciech Korfanty waren die Initiatoren dieser Organisation mit der Struktur der Armee. Aufgrund der Illegalität solcher Aktivitäten nach internationalem Recht und um Aggressionspläne zu verbergen, wurde die militärische Formation offiziell als "Warschauer Industrie- und Baugesellschaft" genannt.


(Schlesien Journal 23.3.2021)

Warum aber wurde Oberschlesien geteilt? [Nach dem abgeschlossenem Plebiszit] wurde klar, dass diese Abstimmung [für Polen] verloren war und Korfanty und die polnische Seite wussten, dass ganz Oberschlesien verloren werden kann", antwortet Waldemar Gielzok bei Schlesien Jounal (Sendung vom 23.3.2021). "Deshalb hat man schon ganz am Anfang viele Proteste gemacht. (...) Entgegen dem, was früher gemeint war, man solle etwas, was zusammengewachsen ist (...) nicht zertrennen. Das wollte man vermeiden, aber das war die einzige Chance für Polen, deshalb war der dritte Aufstand, und damit wurde mit Gewalt gezeigt: Die Grenze sollte hier ablaufen".

Bis dahin sind drei Tete erschien. Die weiteren finden Sie auf dem Facebook-Profil von Waldemar Gielzok (Beiträge sind öffentlich) oder auf unserer Internetseite (Beiträge in polnischer Sprache).








 

Erwartung

Ich lebe lange genug, sodass ich warten kann. Aber im Fall der Gedenkfeierlichkeiten auf dem St. Annaberg dauert das Warten bereits zu lang und es erfüllt mein ganzes Leben.

Als Kind, Schüler und Messdiener besuchte ich den heiligen Berg der Schlesier, seitdem ich denken kann. Dort realisierte sich mein Schlesien-Lernen, doch es geschah nur an einem Teil des Ortes. Die Kirche, das Kloster, der Kalvarienberg, die Einsiedelei, die Grotte, das Pilgerheim. Die Verbeugung vor dem Kreuz auf dem Paradiesplatz, mit der jeder Besuch dort begann. Der andere Teil war eine fremde Welt, vor dem mich die Oma gewarnt und mit geheimnisvoller Stimme gebeten hat, ich möge nie meinen Fuß auf den Platz vor dem Dunikowski-Denkmal setzen.

Sie selbst erlebte im Amphitheater ein nationalsozialistisches Treffen für Schüler und Jugendliche, bei dem ein Parteifunktionär, von der Glocke auf dem Gipfel des Annabergs unterbrochen, geschrien hatte, dass auch sie eines Tages dank des Führers verstummen werde. Für meine Oma war es eine ähnliche Gotteslästerung wie die späteren polnischen, sozialistischen Attacken auf die Religion. Sie standen zu ihr im Widerspruch und haben sie bedroht.

Neben der ideologischen Mahnung gab es auch eine moralische. Für meine Eltern und Großeltern war es nämlich ein Frevel, das Mausoleum der deutschen Verteidiger Oberschlesiens und der staatlichen Integrität vor polnischen Truppen, in dem sich ihre Asche befand, in die Luft zu sprengen. Sie meinten, die Detonation musste ihre Asche auf dem Platz vor dem neuen kommunistischen Denkmal für die Aufständischen verstreut haben. Um also nicht auf sie zu treten, sollte man nicht zum Denkmal gehen.

Der Missklang war dem Annaberg fest zugeschrieben und erst der Besuch des Papstes im Jahr 1983 sowie seine Worte, diese Erde brauche eine vielfältige Versöhnung, löste in uns eine Erwartung aus. Hunderttausende dort versammelte Schlesier wurden mit Hoffnung angesteckt. Doch sie dachten wohl nicht, dass es bis heute dauern würde. Die Welt hat sich verändert, der Sozialismus ist gefallen und Hammer und Sichel blieben nur noch auf dem Dunikowski-Denkmal. Die deutsche Minderheit wurde anerkannt, Ortsnamen haben auch eine deutsche Bezeichnung, der früher in Schulen verbotene Deutschunterricht kehrte zurück, aber der Annaberg ist immer noch in zwei Teile geteilt. In eine den Schlesiern nahe Gebets- und Pilgerzone und eine uns inhaltlich fremde staatliche Zone.

Zum wiederholten Mal habe ich auch in diesem Jahr an den polnischen Präsidenten die Bitte geäußert, während der Feierlichkeiten am 2. Mai diese Teilung zu überwinden und aller in diesem tragischen, von äußeren polnischen Kräften ausgelösten Aufstand gefallenen Opfer zu gedenken. Vor zehn Jahren hat der damalige Präsident Komorowski diese Bitte gehört und seine Worte schienen der Beginn der Realisierung des Appells von Johannes Paul II. zu sein. Jetzt warten wir wieder und glauben daran, dass der Staatspräsident sich über die engen, lokalen, archaischen und vom historischen Wissen losgelösten Aussagen und Taten stellen kann.

Bernard Gaida

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Jahr 1921 in Oberschlesien – Überblick der Veranstaltungen und Publikationen

Für das Jahr 2021 fällt der hundertste Jahrestag des Plebiszits in Oberschlesien. An die Ereignisse erinnern Debatten, Ausstellungen, Dokumentationen und Publikationen:

VERANSTALTUNGEN

  • Sonderausstellung
    Veranstalter: Oberschlesischen Museums in Ratingen
    Termin: 20. März-31. Dezember 2021

Am 20. März 2021 wurde im Sitz des Oberschlesischen Museums in Ratingen eine Sonderausstellung über schlesische Aufstände eröffnet. Die Eröffnung der Ausstellung fand in Online-Form statt – eine Aufzeichnung der Vernissage ist HIER auf der Website des Museums verfügbar. Begleitet wird die Ausstellung von einem Katalog und einer internationalen Konferenz.

  • Podiumsdiskussion
    Veranstalter: VdG
    Termin: 21. März 2021 (Videobericht verfügbar)

Am 21. März 2021 fand im Sitz des VdG in Oppeln eine Podiumsdiskussion mit Experten statt, in der die Ursprünge und Auswirkungen der Volksabstimmung diskutiert wurden. Prof. Ryszard Kaczmarek, der Regionalist Dawid Smolorz, die BJDM-Mitgliederin und Studentin Monika Mikołajczyk sowie Vorsitzender des VdG, Bernard Gaida, diskutierten über die vergangenen Ereignisse. Bericht aus der Diskussion HIER. Die Aufnahme der Diskussion in deutscher Sprache erschien auf der Facebook-Seite des Wochenblatt.pl:

  • Ofizielle Gedenkfeierlichkeiten zum 3. Schlesischen Aufstand auf dem St. Annaberg

Am 2. Mai 2021 fand auf dem St. Annaberg am Denkmal des Schlesischen Aufstandisches die offizielle Gedenkfeier zum dritten schlesischen Aufstand statt. Kurz davor gedachten auf einem nahegelegenen Pfarrfriedhof Vertreter der deutschen Minderheit der Opfer beider Seiten des Konflikts. Bericht von den Feierlichkeiten HIER.

  • Wettbewerb "Vor 100 Jahren in Schlesien"
    Veranstalter: Forschungszentrum der Deutscher Minderheit
    Bis wann: bis zum 20. Oktober 2021

Forschungszentrum der DMi lädt zu einem Wettbewerb für das interessanteste Erinnerungsstück an die Volksabstimmung und ihre Folgen ein. Der Wettbewerb soll die Suche nach Fotos und Dokumenten im Zusammenhang mit Vorfahren fördern, die in der Zwischenkriegszeit in Oberschlesien lebten. Der Wettbewerb läuft bis zum 20. Oktober. Bekanntgabe der Ergebnisse: spätestens am 15. November. Mehr Informationen HIER.

konkurs Forschungszentrum

  • Podium Silesia. Korfanty vs. Ulitzka – aus Liebe zu Oberschlesien. Online-Diskussion
    Veranstalter: Stiftung Haus Oberschlesien
    Termin: 21. April 2021 um 18:30 Uhr (Videobericht verfügbar)

Im Zuge des Abstimmungskampfes rückten vor allem zwei Oberschlesier in den Vordergrund, die in besonderer Weise die vielschichtige oberschlesische Identität und Seele verkörperten: Prälat Carl Ulitzka und Wojciech Korfanty. Während Ulitzka in Deutschland weitgehend in Vergessenheit geraten ist, wird an Korfanty in Polen in diesen Tagen als Patrioten erinnert, ohne dessen Einsatz ein Teil Oberschlesiens nicht polnisch geworden wäre. Im Rahmen des bekannten Formats „Podium Silesia“, das vom Kulturreferenten für Oberschlesien am Oberschlesischen Landesmuseum veranstaltet wurde, diskutierten ausgewiesene Oberschlesienexperten digital über die beiden Persönlichkeiten: Dr. Guido Hitze und Dr. Mirosław Węcki. Wir empfehlen, sich mit dem Inhalt der Diskussion bekannt zu machen (Video unten). Einen Bericht dazu kann man HIER lesen. 

  • “Polen oder Deutschland? Oberschlesien am Scheideweg“ - Führung online
    Termin: Freitag, 21. Mai 2021, um 15:00 Uhr
    Veranstalter: Oberschlesisches Landesmuseum Ratingen

Bei der ersten Online-Führung an diesem Freitag, 21.05.2021, durch die aktuelle Sonderausstellung “Polen oder Deutschland? Oberschlesien am Scheideweg“ wird sich der Kulturreferent für Oberschlesien Dr. David Skrabania mit dem historischen Ereignis der Volksabstimmung vor 100 Jahren befassen.

Weitere Termine:

Freitag, 4. Juni 2021, 15 Uhr
"Wendepunkte der oberschlesischen Geschichte"
Dr. Frank Mäuer

Freitag, 18. Juni 2021, 15 Uhr
"Oberschlesisches Kulturgut"
Katharina Gucia-Klassen

Mehr Informationen HIER.

Foto: Online-Führungen neu im Programm des Oberschlesischen Landesmuseums (OSLM) / Oprowadzania online na wystawie w Muzeum Górnośląskim. Foto: OSLM

Am 5. Juli 2021 wurde in der Basilika auf dem St. Annaberg eine feierliche Messe zum Gedenken an die Opfer und die Beendigung der Ereignisse des Jahres 1921 gehalten.

Nach der Messe wurde im Pilgerheim die Ausstellung des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit geöffnet und der Film des Oberschlesischen Museums Ratingen "Ein europäischer Konflikt. Der Abstimmungskampf um Oberschlesien 1921" vorgestellt. Ein Fotobericht HIER

Gedenken an die Opfer 1921 / Upamiętnienie ofiar 1921

Die international besetzte wissenschaftliche Tagung zum Plebiszit in Oberschlesien begleitet die Sonderausstellung "Polen oder Deutschland? Oberschleisen auf dem Scheideweg" und wird auch online zu folgen. Mehr Informationen demnächst. 

  • Podium Silesia. Zwischen Berlin, Rom und Kattowitz. Die deutschen Katholiken in Polnisch-Oberschlesien 1922–1939. Vortrag online. 
    Veranstalter: Stiftung Haus Oberschlesien 
    Termin: 1 September 2021, 18:30 Uhr

Stiftung Haus Oberschlesien lädt zu einem Vortrag von Sebastian Rosenbaum ein: Zwischen Berlin, Rom und Kattowitz. Die deutschen Katholiken in Polnisch-Oberschlesien 1922–1939. Mehr Informationen kommt bald auf der Internetseite Stiftung Haus Oberschlesien. Es ist die Begleitveranstaltung zur Ausstelung: "Polen oder Deutschland? Oberschlesien am Scheideweg".

  • Schlesienseminar
    Veranstalter: Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit
    Termin: 26.-29. Oktober 2021

Diesjähriges Schlesienseminar, organisiert vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, widmet sich auch diesem Thema. Das Seminar findet vom 26. bis zum 29. Oktober 2021 statt. Der erste Tag des Seminars findet auf dem Schloss Groß Stein statt, die restlichen Tage online. Mehr Informationen demnächst auf der Internetseite und auf dem Facebook-Profil des HDPZ.

logo haus glowna

PUBLIKATIONEN

  • Buch "Die schlesischen Aufstände 1919-1920-1921". Ein unbekannter deutsch-polnischer Krieg 

Bereits 2019, zum Jahr der Schlesischen Aufstände erklärt, wurde eine Publikation von Prof. Ryszard Kaczmarek veröffentlicht, die die Entstehung, den Verlauf und die Auswirkungen der Schlesischen Aufstände analysierte. In der Einleitung schreibt der Autor: "Die schlesischen Aufstände waren eine der Manifestationen eines politischen Konflikts, der viel weiter gefasst war als nur ein regionaler. Es beruhte auf einem Streit über die Grenzen zweier Nationalstaaten nach dem Ersten Weltkrieg, und die Kämpfe in Oberschlesien waren Teil des unsäglichen polnisch-deutschen Krieges". Das Buch ist HIER in der Buchhandlung des Hauses der deutsch-polnischen Zusammenarbeit erhältlich.

Powstania Slaskie HDPZ

  • Sonderbriefmarke

Um im Vorfeld schon auf das historische Datum aufmerksam zu machen, hat sich die Stiftung Haus Oberschlesien eine Aktion einfallen lassen. Und zwar wurde von dem Mitarbeiter Leonhard Wons eigens eine Sonderbriefmarke entworfen. Es ist eine „Briefmarke individuell“ der Deutschen Post AG, insofern kann sie als offizielles Postwertzeichen für die Frankierung von Briefen genutzt werden. Für einige Leute mag die Briefmarke durchaus auch als Sammlungs- oder Erinnerungsstück interessant sein. Neben den klassischen 20er Bögen mit 80er Briefmarken wird es auch Geschenkkärtchen mit Einzelmarken geben. Wer eine solche erwerben möchte, kann sich gerne an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder +49 (02102) 965256 wenden.

Briefmarke OSLM web

  • Karte mit dem Ergebnis der Volksabstimmung 1921

Das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in Kooperation mit dem Wochenblatt.pl veröffentlicht eine Volksabstimmungskarte mit Informationen zu derem Ergebnis in einzelnen Orten der Region. Die Karte ist vier Wochen lang als Beilage der einzelnen Nummern erhältlich; Sie können auch die Nummern bestellen, indem Sie sich direkt an die Redaktion wenden. Mehr Informationen HIER.

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  • Die digitale Karte des Abstimmungsgebietes

Die Online-Volksabstimmungskarte von Adam Brzoska zeigt nicht nur die Ergebnisse der Volksabstimmung in einzelnen Ortschaften, sondern auch die Einwohnerzahl unter Berücksichtigung von deren Nationalität und Religion in den Jahren 1910 und 1921. Mehr Informationen über das Projekt in Silesia News HIER.

  • Dokumentarfilm 

Der Film „Walka plebiscytowa o Górny Śląsk” (Kampf um Oberschlesien – Plebiszit 1921“ analysiert den Konflikt um die Zugehörigkeit Oberschlesiens nicht nur aus der Sicht großer Politik. Er beugt sich auch über das Schicksal der gewöhnlichen Menschen, die zu dieser Zeit im Zentrum der Ereignisse standen. Das Material ist mit historischen Aufnahmen und Aussagen von Experten angereichert. Der Film (in polnischer Version) ist HIER auf der Website des Oberschlesischen Landesmuseums zu sehen.

Film "Walka plebiscytowa o Górny Śląsk"

  • Kindercomic

Für jüngere Leser hat das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit ein zweisprachiges Comic-Buch zum Thema schlesische Aufstände vorbereitet. Eine seiner Heldinnen, Atka, lebt in Deutschland, nachdem ihre Großeltern nach den Aufständen dorthin gezogen sind. Die Veröffentlichung ist der vierte Teil einer Reihe über die Geschichte Oberschlesiens. Mehr Informationen auf der Website der HDPZ-Buchhandlung HIER.

Schlesische Aufstande Comic DE

  • Bildungsanimation

"Das Jahr 1921 war ein sehr Wichtiges damals bei uns in Oberschlesien" – mit diesen Worten beginnt der Großvater die Geschichte des Plebiszits in Oberschlesien zu erzählen, die an seinen Enkel adressiert ist. Die von der Stiftung Haus Oberschlesien vorbereitete Bildungsanimation nähert sich in einfachen Worten den Ursprüngen dieser Ereignisse und richtet sich sowohl an jüngere als auch ältere Zuschauer:

  • "Unsere Heimat vor 100 Jahren" - Ereignisse von vor einem Jahrhundert in Guttentag

Eine Reihe von Einträgen über Ereignisse von vor einem Jahrhundert auf der Website des DFK Guttentag, die die Ereignisse der Volksabstimmung und der schlesischen Aufstände aus der Perspektive einer der oberschlesischen Städte beschreiben. Beiträge sind auf dem Facebook-Profil von DFK Guttentag verfügbar. Über den Zyklus haben wir HIER geschrieben. Die meisten Texte sind zweisprachig. 

nasz Heimat 100 lat temu DFK Guttenatg

  • "Vor 100 Jahren..." - Waldemar Gielzok über die schlesischen Aufstände

Einträge, die sich auf Ereignisse von vor 100 Jahren beziehen und sie aus der Sicht von Waldemar Gielzok, dem Vorsitzenden der Deutschen Bildungsgesellschaft, beschreiben. Man kann sie auf dem Facebook-Profil des Autors sehen (der Zugriff auf Artikel ist öffentlich); auch auf unserer Internetseite stehen sie zum Download zur Verfügung (die Texte sind in polnischer Sprache). 

100 lat temu Waldemar Gielzok

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