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Bernard Gaida

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Erinnerung muss das einzige Ziel sein

Als ich die Bemühungen der deutschen Initiatoren einer Idee beobachtete, polnische Opfer der Besatzungszeit in Berlin durch Errichtung eines Denkmals zu würdigen, habe ich vermutet, dass es zu Zwietracht kommen könnte. Trotz der Pandemie gelang es mir, Ende September den Bundestag zu besuchen, wobei ich in Gesprächen mit manchen Abgeordneten eine ähnliche Besorgnis wahrnahm. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch bereits sicher, dass nahezu alle parlamentarische Fraktionen für den, wie man angenommen hat, einzigen Erinnerungsort mit nationalem Charakter stimmen würden.

Diese eine eher naive Annahme basierte auf einer fast gleichzeitigen Entscheidung, in Berlin einen Erinnerungsort an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges in ganz Europa zu schaffen. Vielleicht wäre es so gewesen, hätte der polnische Botschafter Andrzej Przyłębski nicht bereits im Mai einen Brief an seinen ukrainischen Kollegen Andrij Melnyk geschickt, der in Form einer Anweisung die Anzahl und zumal die Würde der ukrainischen Kriegsopfer infrage gestellt hat. Im Brief fällt Überheblichkeit auf und ein uns in Polen bekanntes Motto, dass „mein Leid größer ist als Deins“. Dieser Brief wurde wiederum zum Ausgangspunkt für die Intervention des ukrainischen Botschafters bei den Bundestagsabgeordneten, der vor einer Instrumentalisierung der Geschichte warnte und vor der Tendenz der Polen, die Rolle der „Märtyrer des Zweiten Weltkriegs“ zu monopolisieren.

Man braucht nicht zu erwähnen, dass diese aufgedeckte Polemik der Botschafter, die ungeachtet der gefassten Bundestagsbeschlüsse geführt wurde, in Deutschland Besorgnis weckt, dass die Frage eines in einer Art neuen polnisch-ukrainischen Krieges um die Geschichte nicht bloß bei der Korrespondenz endet. Eine Art Verminderung des Leidens der Ukrainer im Vergleich zu den polnischen Opfern, die Vorwürfe der Kollaboration mit den Nazis genutzt als Argument gegen das Recht, ein „eigenes“ Denkmal zu besitzen, erinnern an ein „Hausieren“ mit der Tragödie der Menschen. Die wichtigste Schlussfolgerung dieses Streits zwischen zwei Nachbarn in einem dritten, fremden Hof ist die Tatsache, dass die Erinnerung an die Opfer nur einen Zweck haben kann: ihrer ehrenvoll zu gedenken. Jeder Versuch, nach Nationalität, Größe, geografischer Lage u. a. zu vergleichen oder zu relativieren, führt dazu, dass die Folgen eines Vorhabens zum Gegenteil seiner selbst werden. Dass sie trennen, anstatt in würdevoller Erinnerung zu vereinen.

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Botschaft aus Rom

Wir sind daran gewöhnt, dass die Weihnachts- und Neujahrszeit erfüllt ist von Botschaften und Ansprachen. Auch ich wende mich seit Jahren mit einem Neujahrsbrief an die in Polen lebenden Deutschen und versuche, sowohl auf das vergangene Jahr als auch auf die Zukunft einzugehen. Diesmal war es nicht leicht für mich, den Brief zu verfassen, denn während des Schreibens musste ich gegen die Auswirkungen der Krankheit ankämpfen, die so viele Millionen Menschen betroffen und so viele vorzeitig aus dem Leben gerissen hat. Daher empfand ich ganz persönlich die Worte Papst Franziskus´ zum Weltfriedenstag, der alljährlich am 1. Januar begangen wird.

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Neujahrsbrief: „Einmal gewählt, muss ich jeden Tag eine Wahl treffen“ – hl. Augustinus

Liebe Landsleute, Mitglieder der deutschen Gemeinschaft in Polen, unsere Sympathisanten und Freunde,

ich wende mich an Sie als Präsident des VdG in Polen nun schon traditionell anlässlich des Neuen Jahres. Vor einem Jahr hatte ich folgende Worte Dietrich Bonhoeffers zum Motto meines Neujahrsbriefes ausgewählt:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“

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