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Bernard Gaida

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Kolumne 15.03.2013 - Die Wahrheit der Anna German

In letzter Zeit hatten wir die Möglichkeit schon drei Folgen der russischen Fernsehserie über das Leben von Anna German im polnischen Fernsehen zu sehen. Dabei  erleben manche Personen sogar einen Kulturschock. Schließlich stellt sich in der Serie heraus, dass die einst so beleibte polnische Sängerin eine Deutsche war und die Serie zeigt den Ausmaß der Verfolgungen der Deutschen in der Sowjetunion. In Polen ist wenig bekannt, dass in Russland Millionen Deutsche lebten, welche die Zaren in ihr eigenes Land holten um aus dem deutschen Gedanken der Technik, des Handwerken und des Handels zu schöpfen. Ebenso wenig sind in Polen die Verfolgungen und Deportation der Deutschen nach Sibirien sowie in andere asiatische Länder bekannt. Erschütternd ist das Geständnis der kleinen German, die nach dem Verlust ihres Vaters, der durch die Russen ermordet wurde sagt: „Wir sind Deutsche aber es ist nicht gut ein Deutscher zu sein“. In Russland ist das Schicksal der Deutschen und Polen so ähnlich, dass der konspirative Seelsorger der Polen in Kasachstan Pfarrer Orzechowski sagte, dass das gemeinsame Schicksal dazu beigetragen hat, dass nur an diesem Ort auf der Welt Deutsche und Polen wie Brüder leben. Anna zeigt aber noch eine andere Wahrheit, nämlich diese, dass sie als Deutsche trotz der Verfolgungen der russischen Kultur viel Liebe entgegengebracht hat. Heute wissen wir, dass in den Zeiten ihres Glanzes sie sich nicht öffentlich zu ihren deutschen Wurzeln weder in Polen noch in Russland bekennen konnte. Genauso stark musste sie die Repressionen ihrer Landsleute verschweigen. Ohne dieses Wissen über ihre Vergangenheit könnten wir ihren großen Hit „Das Schicksal des Menschen“ nicht verstehen.

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Kolumne 08.03.2013 - Frühling in der Deutschen Minderheit

Immer wieder neue Informationen über den Zensus 2011, welche uns das Statistische Amt liefert tragen dazu bei, dass obwohl ich eher distanziert zu den  Ergebnissen bin ich doch versuche Sie zu vertiefen. Meine Distanzierung ist vor allem in der Tatsache begründet, dass der Unterschied zwischen 109.000 und 148.000 eine Differenz ist, die einer angesehenen Institution nicht zusteht. Andererseits hat das Statistische Amt wieder eine neue Zusammenstellung von Daten an uns geschickt, welche die demographische Struktur der Menschen erläutern, die Deutsch als ihre Nationalität angegeben haben. Diese Daten stürzen einen der am meisten verbreiteten Vorurteile über die deutsche Minderheit und zwar diesen, dass es sich um eine immer älter werdende Gruppe von Menschen handelt also eine Gruppe ohne Zukunft. In Wirklichkeit aber gibt es in Polen genau so viel zwanzigjährige Deutsche wie siebzigjährige und der Kren der deutschen Minderheit sind junge Menschen sowie Personen im mittleren Alter. 2/3 aller Deutschen sind Menschen im breit gesehenen produktiven Alter von 15 bis 64 Jahren. Für die Tätigkeit der Gesellschaften der deutschen Minderheit in ganz Polen ist das eine wichtige Information, den sie ist ein Signal für den Bedarf an Kultur und Bildungsangeboten für die Altersgruppe, die oft nicht so sichtbar zu sein scheint und doch zu der Tatsache, dass sie deutsch ist steht. Ebenfalls ist es interessant zu wissen, dass über die Hälfte der Deutschen in Polen verheiratet ist, was zeigt welche Bedeutung eine liebevolle Familie für unsere Gesellschaft hat. Eine junge deutsche Minderheit, für die die christliche Werte der Liebe, Treue und gegenseitiger Hilfe wichtig sind – das freut mich diese Woche genau so sehr, wie die ersten Frühlingssonnenscheine, die ich gerade hinter meinem Fenster sehe.

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Kolumne 01.03.2013 - Die Kollektivschuld in Frage gestellt

Vor ein paar Monaten war mir gegeben, auch im Rahmen dieser Kolumne, über den Präsidenten Kroatiens und das ungarische Parlament zu schreiben, die mit ihren Erklärungen die Nachkriegsverfolgungen  und Vertreibungen der Deutschen als ungerecht erklärt haben. Vor ein paar Tagen ist auch diesem Gremium der tschechische Premierminister beigetreten, indem er Leid und Bedauern wegen der Vertreibung der Sudetendeutschen ausgedrückt hat. Sowohl die Deutschen in Jugoslawien, in Ungarn oder in der Tschechischen Republik waren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Bürger dieser Länder, was den historischen Kontext der Vertreibungen aus diesen Ländern anders macht als der Vertreibungen der Deutschen aus dem Nachkriegspolen. Das Gemeinsame für all diese Ereignisse ist jedoch die Benutzung des Begriffes der Kollektivschuld um das moralische Leid von Millionen von Menschen, die aus ihren Heimatländern vertrieben worden sind, zu begründen und dann auch zu entschuldigen. Moralität richtet sich nicht nach der Politik und deshalb trotz der geltenden Nachkriegspropaganda konnte man Stimmen hören, welche die Ungerechtigkeit und das Böse des Nachkriegsleidens, welches unschuldige Zivilbevölkerung betroffen hat eingesehen haben. Schließlich hat sich dieses Leiden in der größten Vertreibung der Menschheit offenbart. Die Worte der polnischen Bischöfe „Wir vergeben und bitten, um Vergebung“ wurden besonders hier in Schlesien in den 60er Jahren eindeutig als Anerkennung des moralischen Leidens der Vertreibung und der Verschleppung in die UdSSR verstanden. Diese Worte haben damals eine politische Hetzjagd auf die Kirche ausgelöst.  Trotz der Tatsache, dass sie nahezu ein halbes Jahrhundert zurückliegen und dass schon vor über zwanzig Jahren die Propaganda des Kommunismus gefallen ist, wurden diese Worte, mit Ausnahme von einigen Intellektuellen, wie Jan Józef Lipski, nicht von führenden Vertretern des Staates gesagt. Es kann freuen, dass die kroatischen, ungarischen und tschechischen Politiker den Mut aufgebracht haben die Vertreibung als Unrecht anzuerkennen und das Monolith der kollektiven Beschuldigung der Deutschen für die Kriegsverbrechen zu stürzen. Gut, dass Prof. Bartoszewski in dem Deutschen Bundestag über Verständnis für den Schmerz der unschuldigen Deutschen, die ihre Heimat verloren haben, gesprochen hat. Da soll aber noch mehr kommen. Die Vertreibungen kann man nicht aus der Geschichte löschen, aber zum Wohle Europas muss man Sie als Ungerechtigkeit ansehen, damit sie nie wieder vorkommen.

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Kolumne 22.02.2013 - Raus mit der Sprache

In dieser Woche wird uns besonders bewusst, dass kaum ein anderes Merkmal der Identität für eine nationale Minderheit so wichtig ist wie die Sprache. Obwohl die Deutschen unterschiedlich sind, obwohl sie Bayern, Sachsen, Schwaben oder auch Schlesier sind, sie doch eines eint – die Deutsche Sprache, unser gemeinsames Erbe, unser gemeinsames Reichtum. Jedes Jahr erinnert der Internationale Tag der Muttersprache der UNESCO an die Tatsache, welch ein wichtiger Reichtum die Muttersprache ist. Oft ist die Sprache so selbstverständlich, dass wir ihren Wert gar nicht erst zur Kenntnis nehmen. Wer z. B. weiß, dass die besten Experten der Welt sagen, dass wenn eine Sprache nicht zwei Generationen lang schulisch gelehrt wird sie einfach ausstirbt? Wer weiß, dass es genau in diesem Moment über 6000 Sprachen gibt die vom Aussterben bedroht sind? Und wer weiß, dass es auf der Welt Orte gibt, in denen selbst die „sicheren“, oft gesprochenen Sprachen Drohnen zu verschwinden? Man muss sich der Tatsache bewusst werden, dass keine Rechte und keine Gegebenheiten der Welt eine Sprache retten können, wenn es nicht genug Menschen gibt, welche diese Sprache sprechen. Genau deswegen soll uns Deutsche in Polen der Tag der Muttersprache vor allem daran erinnern, dass wir die Chance nutzten sollen, welche uns die Demokratie gegeben hat, die Chance deutsch zu Hause, unter Freunden, unter der Familie zu sprechen und die Chance den Deutschunterricht in Schulen in Anspruch zu nehmen. Also liebe Landsleute! Jetzt heißt es: Raus mit der Sprache!

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