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"Versöhnung, Freiheit, Erneuerung" - 25. Minderheitenwallfahrt auf den St. Annaberg

Wallfahrt der Minderheiten zum St. Annaberg / Pielgrzymka mniejszości narodowych i etnicznych na Górę Św. Anny. Foto: Mateusz Koszyk Wallfahrt der Minderheiten zum St. Annaberg / Pielgrzymka mniejszości narodowych i etnicznych na Górę Św. Anny. Foto: Mateusz Koszyk

Am Sonntag, den 7. Juni 2021, fand auf dem St. Annaberg die bereits 25. Wallfahrt der nationalen und ethnischen Minderheiten statt. Nach einer durch die Pandemie verursachten einjährigen Pause versammelten sich wieder auf dem heiligen Berg der Schlesier zahlreiche Pilger. Diesmal unter dem Motto: "Versöhnung, Freiheit, Erneuerung in Christus." Denn auch 2021 ist für die deutsche Minderheit ein besonderes Jahr.

25. Wallfahrt auf den St. Annaberg / 25 pielgrzymka mniejszości narodowych i etnicznych na Górę Św. Anny   25. Wallfahrt auf den St. Annaberg / 25 pielgrzymka mniejszości narodowych i etnicznych na Górę Św. Anny

Diese drei Aufrufe enthalten auch Ereignisse, die der Vorsitzender des Verbandes der Deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften, Bernard Gaida, in seiner Begrüßungsansprache in Erinnerung rief:

"Vor 100 Jahren sind in Oberschlesien Kräfte aufgetaucht, die den gerade im Versailler Vertrag verkündeten Frieden gebrochen haben, der durch die Mehrheit der Schlesier in der Abstimmung bestätigt wurde, die für den Verbleib Oberschlesiens innerhalb der Grenzen der damaligen, demokratischen Weimarer Republik votiert haben. (...) Die Tragödie des vergossenen Blutes wurde zur Tragödie zahlreicher Spaltungen. Die Grenze wurde durch eine in Jahrhunderten zusammengewachsene Gemeinschaft des Landes, der Menschen, der Tradition durchgezogen. Die Spaltungen mehrten sich dann andauernd. Johannes Paul II. war sich der Tragödie bewusst, als er 1983 von dem Altar aus sprach, den man hier sieht: »Diese Erde bedarf nämlich immer noch vielfältiger Aussöhnung«. Die Aussöhnung steht also im Vordergrund im unseren Wahlspruch.“

Bernard Gaida: Das ist der dritte Bestandteil unseren heutigen Wahlspruchs: Erneuerung in diesem Land, Umdenken, Ablehnung der Verherrlichung dessen, was uns spaltete und spaltet und Aufbau dessen, was uns im Respekt vor nationaler, sprachlicher, kultureller und historischer Eigenart verbindet, die ja keine Feindlichkeit ist / Bernard Gaida: To jest trzecia część naszej dzisiejszej intencji: odrodzenie na tej ziemi, zmiana myślenia, odrzucenie gloryfikacji tego co podzieliło i dzieli a budowanie tego co łączy w szacunku do inności narodowej, językowej, kulturowej, historycznej, która nie jest wrogością

Die Freiheit – ein weiterer Aufruf – bezieht sich direkt auf den 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland und auf das 30-jährige Bestehen der Deutschen Soziokulturellen Vereinigungen in Polen. "30 Jahre Nachbarschaftsvertrag zwischen Staaten, die man in der Propaganda als Erbfeinde darstellen wollte", betonte Bernard Gaida. Weiter sprach er: "Die Gemeinschaft der Deutschen aus Schlesien, Pommern, Ermland, Masuren, aus Lodz und aus ganz Polen, die als deutsche Minderheit genannt wird, ist mit dem Vertrag in besonderer Weise verbunden. Unsere Gemeinschaft, deren Bestehen nach 1945, nach der Grenzverschiebung und nach der Vertreibung der Einwohner des ehemaligen deutschen Ostens bestritten wurde, wurde durch diesen Vertrag anerkannt. Man durfte sich in Vereinen organisieren.“

Der dritte Aufruf: Erneuerung, es ist ein Aufruf, Spaltungen zu überwinden, aber auch der Wunsch, ein gemeinsames Denkmal für die Opfer des 100-jährigen Konflikts in Schlesien zu errichten. "Das ist der dritte Bestandteil unseren heutigen Wahlspruchs: Erneuerung in diesem Land, Umdenken, Ablehnung der Verherrlichung dessen, was uns spaltete und spaltet und Aufbau dessen, was uns im Respekt vor nationaler, sprachlicher, kultureller und historischer Eigenart verbindet, die ja keine Feindlichkeit ist" - akzentuierte Gaida.

25. Wallfahrt auf den St. Annaberg / 25 pielgrzymka mniejszości narodowych i etnicznych na Górę Św. Anny  25. Minderheitenwallfahrt auf den St. Annaberg / 25 pielgrzymka mniejszości narodowych i etnicznych na Górę Św. Anny

Das Thema Versöhnung war besonders in der Predigt von Bischof Andrzej Czaja präsent:

Dieses [Erlösungs]werk Christi befähigt uns zur Vergebung und Versöhnung. Daher können wir den gesellschaftlichen Herausforderungen nicht gleichgültig gegenüber stehen. Auch nicht in der geschichtlichen Perspektive. Hier denke ich an die Ereignisse von vor 100 Jahren: die Volksabstimmung, den sogenannten III Schlesischen Aufstand und die Teilung Oberschlesiens. In Anbetracht der Versöhnung braucht man nicht nur das Gebet für die Gefallenen auf beiden Seiten. Wir brauchen auch ein gemeinsames Gedenken dieser tragischen Ereignisse. Und mehr noch: eine große Sensibilität für das Wahrheitsempfinden bezüglich der vergangenen Ereignisse. Ein Ausruf herfür ist die Achtung des historischen Gedenkens, welches anders bei der polnischen Mehrheit und anders bei der deutschen Minderheit ist und noch anders in den Herzen der einheimischen Bevölkerung empfunden wird. Daher müssen entsprechende Schritte eingeleitet werden, um sich gegenseitig nicht zu verletzen. Es müssen entsprechende Worte ausgesprochen und entsprechende Handlungen vorgenommen werden, die zur Vergebung und zur Versöhnung führen. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe, die ich bereits in der Basilika am 2. Mai gesagt habe: Das nicht vernichten, was wir schon in den Beziehungen zwischen Polen und Deutschland erreicht haben; dieses Niveau der Versöhnung zwischen Polen und Deutschen". 

Bereits nach der feierlichen Messe meldeten sich die Gäste zu Wort. Bei einem Besuch in Oberschlesien: Arndt Freiherr Freytag von Loringhoven: "Wenn wir zurückschauen, ist eine gute Nachbarschaft alles andere als selbstverständlich. Vor 100 Jahren kämpften Deutsche und polnische Truppen um Oberschlesien und Annaberg. Wie der polnische Präsident Bronisław Komorowski bezeichnete die Ereignisse von vor 100 Jahren als ein Drama, nicht nur die schlesischen Dörfer und Städte, Familienhäuser aber auch einzelne Familien teilte. So etwas darf nie wieder geschehen. Und ganz besonders wichtig ist daher ein stetiger, vertrauensvoller, für den anderen und für die anderen zugewandter Dialog (...)."

Auch zum 30. Jahrestag des Bestehens der Organisation der Deutschen Minderheit gratulierte der Botschafter: "Ich freue mich sehr, auf meine ersten Reise in Woiwodschaft Oppeln eine sehr aktive und engagierte deutsche Minderheit zu erleben. Und dabei spielt die Jugend eine ganz besondere, entscheidende Rolle."

Arndt Freiherr Freytag von Loringhoven: "Kiedy spojrzymy wstecz, dobre sąsiedztwo jest niczym innym jak czymś oczywistym" / Arndt Freiherr Freytag von Loringhoven: "Wenn wir zurückschauen, ist eine gute Nachbarschaft alles andere als selbstverständlich"

Die Worte des auf dem St. Annaberg abwesenden Ministers Błażej Poboży sprach der Oppelner Woiwode, Sławomir Kłosowski, aus: „Ich möchte heute von ganzem Herzen allen Organisatoren dafür danken (...), dass sie sich immer auf Ihr Engagement für christliche Werte und Grundsätze und die Bewahrung der Identität nationaler und ethnischer Minderheiten verlassen können, die verbinden und nicht spalten." Er erwähnte auch die Worte des Papstes von 1983, der "über die Gemeinschaft, über das Vaterland, über das gemeinsame Polen und das gemeinsame Land“ sprach. „Lassen also die aktuellen Feierlichkeiten die Würdigung ausdrücken, die das unabhängige Polen den Teilnehmern der drei Unabhängigkeitsausbrüche und allen Bewohnern von Schlesien zuteilwird. Ich möchte - fuhr er fort -, dass wir dieses polnische Haus noch mehr auf Werte setzen, die uns vereinen und einander näher bringen. Im Bewusstsein, dass eine Heimat, die weit weg ist, noch mehr geliebt werden kann durch die Liebe zu der, die in der Nähe ist. Ich wünsche Ihnen eine fruchtbare, spirituelle Pilgerreise in brüderlicher Einheit und drücke jedem von Ihnen meinen gebührenden Respekt aus. Ich glaube, dass wir mit Gottes Hilfe und durch gemeinsames Engagement die Herausforderung des gegenseitigen Verständnisses der "gemeinsamen Geschichte" bewältigen werden.

Sławomir Kłosowski: Ich glaube, dass wir mit Gottes Hilfe und durch gemeinsames Engagement die Herausforderung des gegenseitigen Verständnisses der "gemeinsamen Geschichte" bewältigen werden / Sławomir Kłosowski: Wierzę, że z Bożą pomocą i dzięki wspólnemu zaangażowaniu sprostamy wyzwaniu, jakim jest wzajemne zrozumienie wspólnej historii

Nach Abschluss der Feierlichkeiten begaben sich die Delegationen auf den Friedhof auf dem St. Annaberg, um im Einklang mit der Absicht von Bernard Gaida an beide Konfliktparteien zu erinnern. Denn "als Vertreter der deutschen Minderheit möchten wir in den hundert Jahren nach den Kämpfen des dritten polnischen Aufstandes auf Oberschlesien zeigen, dass wir trotz der Unterschiede im historischen Bewusstsein dazu gereift sind, allen Gefallenen zu gedenken und für alle zu beten. Dasselbe erwarten wir von unseren Nachbarn und Ihren Vertretern.“ Und während es bei beiden Gräbern Kränze von Vertretern der deutschen Minderheit gab, wurde der mit einem weiß-roten Band geschmückte Kranz nur auf dem Grab der polnischen Gefallenen niedergelegt.

Bernard Gaida: "Wir möchten (...) zeigen, dass wir trotz der Unterschiede im historischen Bewusstsein dazu gereift sind, allen Gefallenen zu gedenken" / Bernard Gaida: "Chcielibyśmy pokazać, że pomimo różnic w świadomości historycznej dojrzeliśmy do tego, aby oddać hołd wszystkim poległym i modlić się za wszystkich"   Bernard Gaida: "Wir möchten (...) zeigen, dass wir trotz der Unterschiede im historischen Bewusstsein dazu gereift sind, allen Gefallenen zu gedenken" / Bernard Gaida: "Chcielibyśmy pokazać, że pomimo różnic w świadomości historycznej dojrzeliśmy do tego, aby oddać hołd wszystkim poległym i modlić się za wszystkich"

Nach den Feierlichkeiten und nach der Kranzniederlegung fand im Pilgerheim auf dem St. Annaberg die Premiere des Filmes "Deutsch im Herzen" statt, die die Anfänge der deutschen Minderheit in Polen thematisierte. Während der Aufführung wurden an die anwesenden Gäste, unter denen auch die im Film auftretende Zeitzeugen waren, die Worte von Egon Primas, dem Bundesvorsitzender der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU – Union der Vertriebenen und Flüchtlinge, vorgelesen. Auch ein Grußwort von Herrn Armin Laschet, dem Vorsitzenden der Partei CDU Deutschland, waren dabei. Wir bedanken uns für an uns gerichteten Worte!

Den Film können Sie HIER anschauen.

Voller Inhalt der Rede von Bernard Gaida:  


Voller Inhalt der Predigt des Bischofs Andrzej Czaja: 
Voller Inhalt der Rede des Vizeministers für innere Angelegenheiten, Herrn Andrzej Poboży: 
Voller Inhalt der Rede von Egon Primas: 

Letzte Änderung am Freitag, 16 Juli 2021 10:19