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Rafał Bartek: Das, was uns auszeichnet, ist die Tatsache, dass wir immer aktiv und sichtbar geblieben sind

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Dachorganisation der Deutschen in Polen – der Verband deutscher sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, feiert ihr 35-jähriges Jubiläum. Es ist kein Zufall, dass die Feierlichkeiten gerade hier in niederschlesischen Bad Salzbrunn und im September dann in Allenstein stattfinden. Damit wollten wir bewusst ein Zeichen dafür setzen, dass die Deutsche Minderheit in Polen nicht nur in Oberschlesien zu Hause ist. Dieser Ort zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass hier der deutsche Dramatiker und Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann geboren wurde, er ist zugleich auch Schauplatz für Konzerte der ältesten und verdienten deutschen Gesellschaft in Polen – der Gesellschaft aus Waldenburg.

Der VdG hat einen langen Weg zurückgelegt. Ein Weg wo es in erster Reihe immer darum ging, die Deutschen in Polen nach außen würdig zu vertreten. Anfangs fungierte der VdG vor allem als politische Vertretung und für das operative, für die Verträge und die Abrechnung der einzelnen Projekte, war die Stiftung für die Entwicklung Schlesiens zuständig. Die Entwicklung war von erfolgreichen, aber auch schwierigeren Jahren geprägt. Es gab Jahre, wo sich die Minderheit vor allem aus den sogenannten Rückflussmitteln der Stiftung finanzieren musste. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, in denen jährlich neu berechnet werden musste, für wie viele Jahre die finanziellen Mittel noch ausreichen würden. Dann ging es jedoch wieder aufwärts – dazu hat in erster Linie Herr Dr. Christoph Bergner beigetragen, der sich in den Jahren 2006 bis 2013 als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten nachdrücklich dafür einsetzte, dass die deutsche Kultur und Sprache der deutschen Minderheit in Polen weiterhin unterstützt werden. Parallel dazu kam es auch innerhalb unserer Minderheit zu Veränderungen, die mit einem Personalwechsel und einem damit verbundenen Richtungswechsel einhergingen. Ab dem Jahr 2009 bis 2022 leitete den VdG Bernard Gaida und hat mit mir und anderen Vorstandsmitgliedern die Weichen neu gestellt. Strategiedokumente wurden entwickelt, direkte Kontakte zu deutschen aber auch zur polnischen Politik gesucht und gepflegt. Seit vier Jahren bin nun ich der Vorsitzender und versuche diesen Weg, der von Bernard eingeschlagen wurde, mit dem VdG Vorstand weiterzugehen.

Dabei waren die vergangenen Jahre nicht einfach – wir waren mit einer direkten Diskriminierung der Kinder der deutschen Minderheit konfrontiert. Viele Menschen wurden entmutigt sich als Deutsche zu bekennen, da es von manchen politischen Seiten nahezu als Makel oder Schimpfwort angesehen wird, Deutscher zu sein.

Seit 2023  haben wir auch keinen Vertreter der deutschen Minderheit im polnischen Parlament.

Das, was uns aber ausgezeichnet hatte und auch heute auszeichnet, ist die Tatsache, dass wir immer aktiv und sichtbar geblieben sind. Wir haben uns als VdG nie versteckt. In den Zeiten der Diskriminierung fand gerade in den Räumlichkeiten des VdG, ein Treffen mit dem Minister Przemyslaw Czarnek statt, der die Diskriminierung eingeführt hatte. Nach der verlorenen Wahl suchten wir zusammen mit Vertretern anderer nationalen und ethnischen Minderheiten das Gespräch mit dem damaligen Sejm-Marschall, dass schließlich dazu führte, dass es heute einen Berater des Sejm-Marschalls für nationale und ethnischen Minderheiten gibt – in der Person unseres früheren Abgeordneten Ryszard Galla.

Wir haben den Aufbau von Kindergärten und Schulen, die sich in der Trägerschaft vor Vereinen der deutschen Minderheit befinden unterstützt und somit zu deren Entstehung beigetragen. Wir haben neue Projekte auf den Weg gebracht und neue Strategien entwickelt. Wir sind ein ansehender Partner sowohl für die deutsche als auch für die polnische Regierung.

Jede unserer Aktivitäten ist darauf fokussiert, die Kultur, Sprache und Tradition für die kommenden Generationen zu pflegen. Wir als VdG schaffen aber nur den Rahmen, der dann von unseren Mitgliedsorganisationen entsprechend genutzt werden kann. Deshalb möchte ich mich auch an dieser Stelle nicht nur bei unseren Partnern in Polen und in Deutschland für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken, aber vor allem bei all denen, die in den Organisationen der deutschen Minderheit die großartige ehrenamtliche Arbeit ausüben. Ich freue mich auch, dass wir heute die Gelegenheit haben werden ein paar von diesen engagierten Menschen auszuzeichnen.

Zum Schluss bedanke ich mich bei allen, die an den Vorbereitungen zu dem heutigen Konzert beteiligt waren und wünsche Ihnen einen schönen Konzertabend.

Danke

Rafał Bartek, Bad Salzbrunn, den 17.04.2026 

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