Ich habe mir in den vergangenen Wochen die Berichte der vergangenen vier Jahre angeschaut, denn die Zeit vergeht so schnell, dass man vieles auch wieder vergisst. Der Zeitraum von 2022 bis 2026 stand vor allem im Schatten der zweijährigen Diskriminierung der Kinder der deutschen Minderheit. Zum ersten Mal in der Geschichte des freien Polens nach der Wende der Jahre 1989–1990 wurde offiziell von der polnischen Regierung erklärt, dass die Bürger Polens, die der deutschen Minderheit angehören, schlechter betrachtet werden sollen als die Bürger anderer nationaler und ethnischer Minderheiten, die in Polen leben. Das Ende der Diskriminierung kam erst mit dem Ende der PiS Regierung. Die Folgen sind aber bis heute spürbar.
Wir blieben als Dachverband in diesem Bereich sehr aktiv. Wir haben uns beraten lassen und haben nichts unterlassen, was machbar gewesen ist – Protestaktionen, Pressekonferenzen, Treffen mit Politikern und auch mit dem für die Diskriminierung zuständigen Bildungsminister Przemysław Czarnek, Kampagnen gegen die Diskriminierung. Das war jedoch nur ein Teil unserer Tätigkeit in den vergangenen Jahren. Er war wichtig, sogar existentiell wichtig, aber es gab auch weitere Aktivitäten die ich hervorheben möchte. Zu denen gehörten u. a.:
80 Jahre der Tragödie der Deutschen in Polen
Jedes Jahr veranstalten wir Feierlichkeiten zum Gedenken an die Opfer dieser Tragödie. Im Jahr 2025 erhielten sie jedoch eine besondere Bedeutung, denn es war ein runder, der 80., Jahrestag dieser Ereignisse. Es geht hier um die grausamen Erlebnisse der Zivilbevölkerung in den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit dem Einmarsch der Roten Armee kam es zu Morden, Vergewaltigungen, Raubüberfällen, Verhaftungen, Vertreibungen, Inhaftierungen in Arbeitslagern und Deportationen in die UdSSR. Danach folgten weitere Schikanen, die durch das kommunistische Regime eingeführt wurden, darunter das Verbot der Sprache und die Änderung von Namen.
Im Jahr 2025 erklärten die Regionalparlamente der Woiwodschaften Schlesien und Oppeln dieses Jahr offiziell zum Jahr des Gedenkens. Auch der Sejm und der Senat der Republik Polen verabschiedeten entsprechende Beschlüsse.
Die Organisationen der deutschen Minderheit veranstalten zahlreiche Initiativen wie Gedenkfeiern, Autorenlesungen, Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen, Ausstellungen und Wettbewerbe. Deshalb möchte ich allen, die viel Mühe in diese Veranstaltungen gesteckt haben, meinen großen Dank aussprechen. Dadurch konnten wir den Opfern dieser Tragödie in würdiger Weise gedenken.
Stabile Finanzierung- Finanzierungszahlen für die Jahre 2022 bis 2026 von BMI und MSWiA
Die Daten zur Finanzierung durch das Bundesministerium des Innern sowie Ministerium für Inneres und Verwaltung (MSWiA) für die Jahre 2022-2026 zeigen einen stabilen Mittelzuwachs. Zwar ging die Finanzierung durch das BMI nach Erreichen eines Höchststandes im Jahr 2023 zurück (dieses war mit den zusätzlichen Mitteln für die Projekte verbunden, die der Diskriminierung entgegenwirken sollten), blieb sie jedoch in den kommenden Jahren auf einem relativ hohen Niveau. Gleichzeitig ist bei den Daten zum Ministerium für Inneres und Verwaltung (MSWiA) ein kontinuierlicher Anstieg der Mittel in den Jahren 2023-2026 zu beobachten.
Treffen mit wichtigen Politikern aus Deutschland und aus Polen
Es gab in der vergangenen Legislaturperiode viele Treffen mit wichtigen Politikern aus Deutschland und aus Polen sowie mit Experten auf der europäischen Ebene. Hier möchte ich nur auf ein paar Beispiele hinweisen:
- Bei der feierlichen Eröffnung des DAZ am 11. September 2022 durften wir Natalie Pawlik, die derzeitige Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Polen, Dr. Thomas Bagger und weitere Gäste begrüßen.
- Vom 21. bis zum 24. Oktober 2022 war Dietmar Nietan, der damalige Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit, auf einer Reise nach Polen.
- Am 22. Januar 2023 fand ein Treffen mit Przemysław Czarnek in Oppeln statt.
- Am 14. Februar 2023 kam die deutsche Innenministerin Nancy Faeser zu einem Besuch nach Warschau und traf sich u. a. mit den Vertretern der deutschen Minderheit.
- Am 13. April 2023 trafen sich die Vertreter der deutschen Minderheit in Polen mit einer Delegation der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe im Bundestag in der deutschen Botschaft in Warschau.
- Am 27. März 2023 kam zu uns nach Oppeln die Delegation des Sachverständigenausschusses der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen.
- Am 3. Juni 2023 fand ein Treffen mit dem deutschen Botschafter Thomas Bagger in Oppeln statt, dabei wurde das Jugendzentrum eröffnet.
- Bei der Eröffnung des Nichtöffentlichen Katholischen Kindergartens in Chronstau am 10. September 2023 verbrachten Natalie Pawlik und Peter Herr, der Konsul der BRD in Oppeln, diesen besonderen Moment mit uns.
- Am 16. Januar 2024 fand ein Treffen mit dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Viktor Elbling statt.
- Am 19. Januar 2024 fand ein Treffen mit Katarzyna Lubnauer, der stellvertretenden Bildungsministerin, statt.
- Am 19. Februar 2024 fand in Warschau das erste Treffen in der Geschichte Polens zwischen dem Sejmmarschall Szymon Hołownia und den Mitgliedern der Gemeinsamen Kommission der Regierung und der nationalen und ethnischen Minderheiten statt.
- Am 27. März 2024 trafen wir uns mit Mitgliedern der Europäischen Freien Allianz (EFA). An dem Treffen nahmen der Europaabgeordnete François Alfonsi, die Vorsitzende der EFA-Partei Lorena Lopez de Lacalle, der Leiter der EFA-Abteilung für politische und rechtliche Angelegenheiten Paul Butcher teil.
- Am 21. Mai 2024 fand ein Treffen mit der Europaabgeordneten Róża Thun in Gogolin statt.
- Am 2. und 3. Juni 2024 besuchten Oppeln Natalie Pawlik, Dietmar Nietan und Stefan Seidler, um sich dort mit Vertretern der deutschen Minderheit zu treffen und über deutsch-polnische Beziehungen auszutauschen.
- Am 20. November 2024 traf ich mich in Warschau mit dem CSU-Politiker Markus Ferber.
- Am 13. Januar 2025 stattete der deutsche Botschafter in Polen, Victor Elbling, einen Besuch in Oppeln ab.
- Am 8. April 2025 fand in Berlin der Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen (BdV) statt. Dort trafen sich die Vertreter der DMi u.a. mit Ulrike Scharf, der Bayerischen Staatsministerin, Christoph de Vries, dem CDU-Politiker, und Andrea Lindholz (CSU), der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.
- Am 28. Mai 2025 fand in Warschau ein Treffen mit der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag statt.
- Vom 3. bis 5. Juni 2025 am Rande des deutsch-polnischen Forums trafen wir uns mit der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Bernd Fabritius, dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und Knut Abraham, dem Koordinator für die deutsch-polnische Zusammenarbeit.
- Am 10. und 11. September 2025 führten wir Gespräche mit wichtigen Vertretern des politischen Lebens in Deutschland: Bernd Fabritius, Alexander Dobrindt, Andrea Lindholz, Knut Abraham, Klaus-Peter Willsch, Sven Oole – dem Geschäftsführer der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten.
- Am 29. und 30. September 2025 fanden in Kattowitz und Oppeln wichtige Treffen mit dem Beratenden Ausschuss des Europarates zur Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten statt.
- Vom 11. bis 13. Oktober 2025 besuchte Oppeln Dr. Bernd Fabritius.
- Am 19. Dezember 2025 fand im Außenministerium in Warschau ein Treffen der Vertreter der deutschen Minderheit mit der Unterstaatssekretärin Henryka Mościcka-Dendys statt.
- Am 14. Januar 2026 trafen wir uns mit der Ministerin Katarzyna Lubnauer im Ministerium für Nationale Bildung und mit dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Miguel Berger in der Deutschen Botschaft.
- Am 17. März 2026 fand ein Treffen von Vertretern der Minderheitenseite der Gemeinsamen Kommission der Regierung und der nationalen und ethnischen Minderheiten mit dem Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty statt.
Dazu kommen die regelmäßigen Treffen mit polnischen Politikern bei den Sitzungen der gemeinsamen Kommission der Regierung und der Minderheiten, wo wir mit Bernard Gaida zusammen die Minderheit vertreten und wo wir unsere Arbeit nach der Zeit der Diskriminierung wieder aufgenommen haben.
Liste der Maßnahmen, die die deutsche Minderheit gegen die Begrenzung des Deutschunterrichts unternahmen
- Es wurde eine Petition gegen die Diskriminierung von Vertretern der DMi, Eltern und Schülern an das Ministerium für Bildung und Wissenschaft eingereicht (13222 Unterschriften).
- Jugendliche der DMi führten unterschiedliche Aktionen gegen die Diskriminierung durch (Online-Aktion „Nie ma mowy, sprachlos“ oder #NapiszDoCzarnka).
- Der VdG schickte zahlreiche Briefe und Appelle an Politiker, Institutionen und Hochschulen.
- Es wurde eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission und eine Petition beim Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments eingereicht.
- Der VdG-Vorstand veröffentlichte eine Stellungnahme zur Diskriminierung, die an viele Politiker, Institutionen und Organisationen verschickt wurde.
- Der VdG-Vorstand veröffentlichte eine kritische Stellungnahme zum Entwurf des neuen Kerncurriculums für den Unterricht Deutsch als Minderheitensprache.
- Wir nahmen an einer Sitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg teil, wo wir die Situation im Zusammenhang mit der Diskriminierung erörterten.
- Der ehemalige Abgeordnete der deutschen Minderheit Ryszard Galla befasste sich bei mehreren Gelegenheiten mit dem Thema Diskriminierung, unter anderem im Rahmen seiner Arbeit bei der Regierungskommission für nationale und ethnische Minderheiten und während der parlamentarischen Prüfung der vom Minister für Bildung und Wissenschaft eingeführten Verordnungen.
- Die Mehrheit der Mitglieder der Gemeinsamen Kommission der Regierung und der nationalen und ethnischen Minderheiten setzte ihre Teilnahme an der Arbeit in diesem Gremium zum Zeichen des Protests aus.
- Wir trafen uns mit Vertretern des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft, des Bürgerbeauftragten sowie des Bundesministeriums des Innern und des Bundestages.
- In vielen Städten wurden Debatten und Pressekonferenzen organisiert.
- Der Sejmik der Woiwodschaft Oppeln und Vertreter vieler Gemeinden sprachen sich gegen die Diskriminierung aus. Viele Gemeinden reagierten positiv auf den Appell der deutschen Minderheit und finanzierten weiterhin reduzierte Unterrichtsstunden für Deutsch als Minderheitensprache.
Aktive Teilnahme bei FUEN und AGDM- Bernard Gaida als Sprecher der AGDM und Vizepräsident der FUEN
Im Jahr 2025 endete die dritte Amtszeit von Bernard Gaida an der Spitze der AGDM. In diesen neun Jahren gelang es ihm, in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsbüro der AGDM, die AGDM auf höchster politischer Ebene in Deutschland sichtbar zu machen. Heute wird sie von wichtigen Gremien wahrgenommen und verfügt über direkte Ansprechpartner.
Die AGDM vertritt Deutsche Minderheiten aus vielen Ländern und kann zwar die deutsche Politik nicht unmittelbar beeinflussen, doch ihre Präsenz ermöglicht es, die Interessen der deutschen Minderheiten in 25 Ländern Europas und Zentralasiens wirksam zu vertreten.
Während seiner Amtszeit setzte sich Gaida konsequent dafür ein, stabile Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Dabei arbeitete er eng mit allen Bundesbeauftragten für nationale Minderheiten zusammen und stärkte so nachhaltig die Position der deutschen Minderheiten.
FUEN-Kongress in Oppeln und Kattowitz
Am 1. und 2. Dezember 2023 fand in Oppeln und Kattowitz das 7. Forum der Europäischen Minderheitenregionen statt. Die Themen der Paneldiskussionen konzentrierten sich vor allem auf die Vorteile von Kenntnissen der Minderheitensprachen auf dem Arbeitsmarkt.
Über 100 Teilnehmer aus mehr als 20 Ländern nahmen an dem Forum teil. Die Referenten dieser Veranstaltung kamen aus ganz Europa, darunter Irland, Norwegen, Finnland, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Deutschland, die Slowakei, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Italien, Spanien und Griechenland. Auf diese Weise konnte jeder die Situation der Minderheiten in seinem Land darstellen, was eine gute Gelegenheit zum Erfahrungs- und Wissensaustausch, zum Aufbau neuer Beziehungen und zum Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit bot. Wir freuen uns sehr, dass wir diese Veranstaltung gemeinsam mit FUEN organisieren konnten.
Projekte, die von VdG koordiniert werden
Der Verband setzt sich seit vielen Jahren für den Erhalt der deutschen Sprache, Kultur und Tradition unter den Mitgliedern der deutschen Minderheit ein. Sein vielfältiges Projektangebot zieht jährlich zahlreiche Teilnehmende an. Für die Kleinsten werden „Samstagskurse” und „Deutsche Kinderclubs” organisiert. Letztere, die sich an Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren richten, wurden ursprünglich vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit initiiert und wird seit 2025 vom VdG durchgeführt.
Im Laufe der Jahre hat sich unser nächstes Projekt positiv weiterentwickelt. Das Projekt „Deutsch AG“ bietet Schülerinnen und Schülern der deutschen Minderheit die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. Ursprünglich richtete sich das Angebot an die Klassen 7 und 8, wurde jedoch im Laufe der Zeit ausgeweitet. Derzeit können Schüler der Klassen 4 bis 8 daran teilnehmen, und ab dem 1. September 2025 auch Kinder der Klassen 1 bis 3.
Im Jahr 2025 feierte das Projekt „Jugendbox“ sein zehnjähriges Bestehen. Es motiviert Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren zur aktiven Teilnahme an deutschsprachigen Theaterstücken. Die einstudierten Stücke werden zunächst in ihren DFKs und anschließend beim Theaterfestival in Oberglogau aufgeführt.
Das Projekt „Begegnungsstättenarbeit“, das seit 2010 fester Bestandteil der Minderheitenarbeit ist, fördert die aktive Beteiligung der Mitglieder durch selbst organisierte Initiativen zur Pflege der deutschen Identität.
Seit Anfang 2026 ist der VdG auch für neue Projekte verantwortlich, darunter das Programm „DMi-Aktiv“, das die deutsche Sprache, Kultur und Identität stärkt. Dazu werden Projekte wie Maibaum, Herbstfeste, Martinstag geplant und realisiert.
Darüber hinaus organisiert der Verband jährlich Wallfahrten, unter anderem nach Wartha, Albendorf, Maria Hilf und Trebnitz, sowie Volkstrauertag und Gedenkveranstaltunge in Lamsdorf, Potulitz sowie auf dem St. Annaberg.
Sejmwahlen 2023
Nach den Wahlen am 15. Oktober 2023 wurde die deutsche Minderheit zum ersten Mal seit 1990 nicht im polnischen Sejm vertreten. Dies war ein großer Verlust für unsere gesamte Gemeinschaft. Trotz eines engagierten Wahlkampfs und der Aufstellung von 24 Kandidaten gelang es dem Wahlkomitee der deutschen Minderheit nicht, eine ausreichende Anzahl an Stimmen zu erzielen.
Die Wahlen fanden in einer angespannten Atmosphäre statt und waren von politischen Angriffen geprägt, was den Erfolg zusätzlich erschwerte. Gleichzeitig musste sich die Minderheit mit Drohungen von Janusz Kowalski auseinandersetzen, der die Ausnahme von der 5-Prozent-Hürde als ungerechtfertigtes Privileg darstellte und deren Abschaffung forderte. Dabei wird oft übersehen, dass die deutsche Minderheit keinen automatischen Anspruch auf einen Sitz hat, sondern, wie alle anderen auch, eine ausreichende Stimmenzahl erreichen muss.
Selbstverwaltungswahlen 2024
Am 7. April 2024 fanden in Polen die Selbstverwaltungswahlen statt, an denen sich auch die Mitglieder der deutschen Minderheit in Polen aktiv beteiligten. Sie bewiesen uns erneut, dass wir als Gemeinschaft nach wie vor in der Lage sind, auch politisch neue Wege zu beschreiten und auch erfolgreich zu sein. Mit der neuen Formel „Schlesische Regionalpolitiker“, einer Initiative der deutschen Minderheit und des Schlesischen Selbstverwaltungsvereins, erzielten nicht nur „regionale“ aber vor allem auch „minderheitenspezifische“ Aspekte ein sehr gutes Ergebnis, wodurch wir auch auf allen Ebenen der Selbstverwaltung in der Woiwodschaft Oppeln präsent bleiben. In anderen Regionen ist die deutsche Minderheit politisch schwächer vertreten, umso wichtiger ist es, den Kontakt zu neu gewählten Entscheidungsträgern zu suchen und unsere Anliegen einzubringen.
Beauftragter des Marschalls für nationale und ethnische Minderheiten
Am 15. Mai 2024 wurde Ryszard Galla, stellvertretender Vorsitzender der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien und ehemaliger Abgeordneter der deutschen Minderheit, zum Berater des Sejmmarschalls Szymon Hołownia für nationale und ethnische Minderheiten ernannt. Bisher gab es eine solche Position nicht. Dank dieses historischen Moments eröffnet sich für die Minderheiten in Polen ein neuer Weg, der auf eine stärkere Unterstützung ihrer Anliegen auf staatlicher Ebene hoffen lässt.
Sekretariat der Minderheitenseite der gemeinsamen Kommission der Minderheit und der Regierung im Sejm
Anfang November 2025 trat die Novelle des Gesetzes über nationale und ethnische Minderheiten in Kraft, auf deren Grundlage am 4. November 2025 in der Kanzlei des Sejms ein Sekretariat für nationale und ethnische Minderheiten offiziell eröffnet wurde. Damit verfügt die Minderheitenseite zum ersten Mal in der Geschichte Polens über einen festen Platz auf höchster staatlicher Ebene. Die Hauptaufgabe des Sekretariats: Unterstützung und Professionalisierung der Arbeit der Minderheiten in der Gemeinsamen Kommission der Regierung und der Minderheiten.
DAZ-Eröffnung 11.09.2022
Am 11. September 2022 wurde in Oppeln das Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen eröffnet. Es ist ein Ort, der der Geschichte, dem Erbe und der Gegenwart der deutschen Minderheit gewidmet ist.
Im Mittelpunkt steht die moderne, zweisprachige Dauerausstellung „Die Deutschen in Polen – Geschichte und Gegenwart“, die mit multimedialen Elementen und authentischen Exponaten einen Zugang zur komplexen Geschichte der Deutschen in Polen bietet.
Die Entstehung des Zentrums geht auf die Erklärung des deutsch-polnischen Runden Tisches zurück. Heute ist das DAZ eine Abteilung der Woiwodschafstbilbliothek Oppeln und zugleich ein Ort für Ausstellungen, Begegnungen und Konferenzen.
Kindergarten Chronstau Eröffnung
Am 10. September 2023 wurde in der Gemeinde Chronstau ein Nichtöffentlicher Katholischer Kindergarten mit dem Unterricht Deutsch als Minderheitensprache offiziell eröffnet.
Das Gebäude, das früher dem der Ordensgemeinschaft der Schwestern Mägde Mariens von der Unbefleckten Empfängnis gehörte, wurde mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern grundlegend renoviert. Nun gibt es da einen christlich geprägten, zweisprachigen Kindergarten, der von dem lokalen Verein „Bildungsgesellschaft Chronstau WUNDER“ betrieben wird. Das ist schon die fünfte Einrichtung dieser Art in der Woiwodschaft Oppeln.
„Revolution“ in den VdG-Medien
Eine große Veränderung hatten wir in den Medien der deutschen Minderheit: aus der Wochenzeitschrift „Wochenblatt“ wurde die Monatszeitschrift „Neues Wochenblatt“. „Neues Wochenblatt“ erscheint in der letzten Woche jedes Monats und umfasst 52 Seiten. Neben der Monatszeitschrift bietet das ausgebaute Portal www.neueswochenblatt.pl nun täglich aktuelle Nachrichten, Analysen und Interviews, was für eine stärkere Präsenz im Internet sorgt.
Ergänzt wird das Angebot durch neue Medienformate wie Wochenblatt.TV sowie Radiosendungen und Podcasts, die u. a. auf Plattformen wie YouTube und Spotify verfügbar sind.
Schlesien Journal übernommen von TVP 3 Opole
Ich freue mich, dass die Produktion der Fernsehsendung „Schlesien Jorunal“, die viele Jahre lang von der Medienabteilung des VdG realisiert wurde, zum ersten Mal in der Geschichte direkt vom polnischen Fernsehen TVP 3 Opole übernommen wurde. Dank der Zusammenarbeit mit TVP wurde die Ausstrahlung der Sendung auf weitere Woiwodschaften ausgeweitet, wodurch ein breiteres Publikum erreicht werden kann, nämlich in den Woiwodschaften Oppeln, Schlesien, Niederschlesien und Ermland-Masuren.
Preisverleihung an Nossol
Am 30. Mai 2025 überreichte ich im kleinen Kreis von Vertretern der deutschen Minderheit in Groß Stein Erzbischof Alfons Nossol den Preis „Gratias agimus“. Er wurde für sein langjähriges Engagement für den Dialog, die Versöhnung und den Brückenbau zwischen den Völkern geehrt.
Neues VdG-Logo
Um mit den sich wandelnden Trends, der fortschreitenden Digitalisierung und den neuen Erwartungen der Empfänger Schritt zu halten sowie im Rahmen der weiteren Entwicklung unserer Organisation modernisierten wir unsere visuelle Identität. Im Mittelpunkt stand das neue Logo, das die Identität der deutschen Minderheit in Polen auf moderne Weise interpretiert und auf klaren Formen basiert, die von der Tradition des Modernismus und der Bauhaus-Schule sowie von der Symbolik der deutschen Nationalfarben inspiriert sind.
Gleichzeitig wurde die Internetseite des Verbandes vdg.pl neugestaltet, die nun übersichtlicher ist und einen leichteren Zugang zu den Inhalten bietet.
Betreuung / Koordination der Tätigkeit der DMi-Organisationen
Es fanden sowohl online als auch in Präsenz mehrere Treffen mit Organisationen der deutschen Minderheit statt, um aktuelle Themen zu besprechen und Schulungen durchzuführen. Viele dieser Treffen wurden mit einzelnen Organisationen zu spezifischen Fragestellungen organisiert. In zahlreichen Angelegenheiten berät der VdG die Organisationen auch in rechtlicher Hinsicht. Der VdG organisierte zunächst eigenständig, später gemeinsam mit dem HDPZ, Koordinierungstreffen bzw. Schulungen für Organisationen im Norden Polens. Zudem wurden im vergangenen Jahr mehrere Geräteanschaffungen für Organisationen in ganz Polen umgesetzt, um diese technisch neu auszustatten.
Sehr geehrte Delegierte, wie Sie diesem Bericht entnehmen können, ist im vergangenen Jahr, aber auch insgesamt in den vergangenen vier Jahren, wirklich viel geschehen. Trotzdem bin ich mir bewusst, dass wir bestimmt nicht alle Erwartungen und Hoffnungen erfüllen konnten, denn es bleibt sicherlich immer etwas, was man besser tun könnte. Ich möchte jedoch daran erinnern, dass der VdG ein Dachverband ist, der andere regionale, aber auch Fach-Gesellschaften zusammenschließt und nach außen vertritt. Der VdG übernahm auch in den letzten Jahren eine Koordinierungsrolle und genießt hohes Ansehen des Bundesinnenministeriums! Dies ist nicht zuletzt der VdG-Mannschaft zu verdanken, die unter der Leitung von Joanna Hassa eine hervorragende Arbeit macht.
Ich möchte jedoch unterstreichen, dass der VdG nicht dafür zuständig ist, die Arbeit in den jeweiligen Regionen auszurichten. Daran hat sich seit der Gründung des VdG nichts geändert und da sind immer die regionalen Organisationen dafür zuständig, mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben, Jugend für die Gesellschaft zu gewinnen, neue Initiativen zu initiieren usw. Der VdG versucht dafür die Rahmen zu schaffen und neue Fördermöglichkeiten zu öffnen und dieses ist uns auch in den letzten Jahren wirklich gut gelungen.
Der VdG ist dafür da, die Initiativen, die regional entstehen, nicht zuletzt auch politisch zu unterstützen. Wir können jedoch nichts unterstützen, wozu es kein durchdachtes Konzept gibt. Die Gedanken zu der jeweiligen Initiative müssen also schon von der Organisation kommen, die die Unterstützung erwartet, und müssen nachvollziehbar und mit der VdG-Strategie vereinbar sein.
Wir blicken auf 35 Jahre des Verbandes zurück und sehen auch, dass unsere Rolle in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. Dies ist nicht zuletzt meinem Vorgänger Bernard Gaida zu verdanken, und ich habe mich auch bemüht, dies fortzusetzen. Natürlich wäre ich persönlich gerne noch mehr in den Regionen unterwegs, aber das war aufgrund der Vielzahl der Aufgaben in den vergangenen Jahren schwierig und so kann ich nur versprechen, dass ich versuchen werde, mich hier in der Zukunft zu bessern.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Mitgliedsorganisationen für die Zusammenarbeit und die ständigen Bemühungen um den Erhalt der deutschen Sprache, Kultur und Identität. Letzten Endes ist jeder von uns persönlich dafür verantwortlich, wie wir diese an die kommenden Generationen weitergeben. Gemeinsam können wir jedoch weit mehr bewegen.
Rafał Bartek, Lubowitz, den 09.05.2026