Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich sehr, Sie herzlich zu unserem Jubiläumskonzert in Allenstein begrüßen zu dürfen!
Wir sind heute zusammengekommen, um gleich zwei besondere Jubiläen zu feiern: den 35. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags sowie das 35-jährige Bestehen des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen.
Dass wir heute hier in Allenstein feiern, ist kein Zufall. Die erste Feierlichkeit fand in Bad Salzbrunn in Niederschlesien statt, die zweiten hingegen im Norden Polens. Die Wahl dieser beiden Orte war bewusst. Wir wollten damit zeigen und gleichzeitig unterstreichen, dass die deutsche Minderheit in Polen nicht ausschließlich mit einer einzigen Region, und zwar Oberschlesien, verbunden ist. Ihr Wirken reicht weit über diese Grenzen hinaus. Auch hier, in Ermland und Masuren, leben Menschen, die sich für die deutsche Geschichte, Sprache und Kultur einsetzen, weil dies ein wichtiger Teil ihrer Identität ist.
Es ist eine Gruppe, die nicht so zahlreich ist wie in Oberschlesien; und dennoch hält sie nichts davon ab, gemeinsam aktiv zu sein und das deutsche Erbe zu bewahren. Die ehemaligen Bewohner Ostpreußens kümmern sich um das, was ihnen wichtig ist und werden dies auch weiterhin tun. Dies ist nämlich heute ein wichtiger Bestandteil der Kultur Polens nach dem Jahr 1990. Die Minderheiten hier werden auch wertgeschätzt, wofür der Ausschuss für Minderheiten in dem hiesigen Regionalparlament der beste Beweis ist.
Erwähnen möchte ich hier auch die Rolle der Landsmannschaft Ostpreußen, die eine wichtige Rolle bei der Gründung deutscher Vereine spielte und auch heute noch spielt. Die Landsmannschaft bemühte sich gerade in den Anfangsjahren vor allem durch Hilfstransporte und gesammelte Spenden, die Lage der Einwohner deutscher Herkunft zu verbessern und Kontakte zwischen ihnen zu knüpfen.
Darüber hinaus ist hier der Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren tätig, der deutsche Vereine vereint, deren Aktivitäten koordiniert und ihre Arbeit unterstützt. Seit kurzem ist er gemeinsam mit der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit im Haus Kopernikus unter einem Dach untergebracht. Es freut mich, dass sich diese Organisationen angenähert haben, und ich freue mich auf weitere gemeinsame Initiativen.
Täglich kann man hier in Ermland und Masuren die Aktivitäten verschiedener deutscher Vereine beobachten. Diese Vereine, die Menschen zusammenbringen, denen die deutsche Identität am Herzen liegt, geben eigene Zeitschriften heraus, realisieren eigene Projekte, sprechen Deutsch und setzen sich gemeinsam für Werte ein, die ihnen wichtig sind.
All dies wäre ohne den 1991 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen unterzeichneten Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit nicht möglich gewesen.
Er garantierte den Mitgliedern der deutschen Minderheit das Recht, ihre Identität zu bekennen, ihre Sprache, Kultur und Traditionen zu pflegen. Diese Rechte, die uns heute selbstverständlich erscheinen mögen, stellten damals für viele Menschen einen Durchbruch dar. Sie mussten ihre Identität nicht länger verbergen. Diese Rechte ermöglichten es ihnen, nach vielen Jahren der Unsicherheit offen zu sagen: Wir sind Deutsche.
Dank dieses Vertrags konnte die Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland auch in vielen Bereichen vertieft werden: in Politik, Wirtschaft, Bildung und Kultur. Heute verbinden unsere Länder unzählige Partnerschaften. Städte und Gemeinden arbeiten zusammen. Es wurden Kooperationen zwischen den Kommunalverwaltungen sowie eine intensive Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kindergärten, der Feuerwehr und Sportvereinen aufgebaut.
All dies hat die Entwicklung unserer Gemeinschaft ermöglicht. Heute können wir unsere Werte an künftige Generationen weitergeben, damit sie nicht verloren gehen. Dafür setzt sich auch der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen ein.
Der Verband wurde 1991 gegründet, mit dem Ziel, die in Polen tätigen Organisationen zu vereinen und die deutsche Minderheit bei politischen Kontakten in Polen und Deutschland zu vertreten. Im Laufe der Zeit hat sich seine Aufgabe erweitert. Heute initiiert und koordiniert der Verband eigenständig zahlreiche Projekte und Veranstaltungen.
Seit 35 Jahren pflegen wir deutsche Werte und bauen Kontakte zu Politikern in Polen und Deutschland auf. Wir setzen alles daran, die deutsche Minderheit sichtbar zu machen und ihre Rolle als anerkannter Vertreter der deutschen Minderheit auf europäischer Ebene zu stärken.
Viele Organisationen sind nach der politischen Wende entstanden. Viele von ihnen sind bis heute in ganz Polen aktiv. Diese Entwicklung zeigt, dass wir alle zusammen stark sind. Dass uns gemeinsame Ziele verbinden. Gerade in Zeiten, in denen sich unsere Gemeinschaften im Wandel befinden, ist Zusammenarbeit wichtiger denn je.
Deshalb sind engagierte Menschen so wichtig. Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, die ihre Zeit und Energie investieren und die trotz aller Schwierigkeiten nicht aufgeben.
Deshalb möchten wir heute gemeinsam das Engagement all jener würdigen, die diese Geschichte geschrieben haben und die sie auch in Zukunft fortsetzen werden. Wir alle, die wir hier versammelt sind, leisten täglich ehrenamtliche Arbeit, entwickeln neue Ideen, um die deutsche Minderheit sichtbarer zu machen, führen Diskussionen und knüpfen neue Kontakte. All dies geschieht, um die deutsche Sprache, Kultur und Tradition zu bewahren. Aus diesem Grund möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen.
Rafał Bartek, den 11.09.2026, Allenstein