In Anbetracht der besonderen Bedeutung des Eichendorff-Schlosses in Lubowitz, dem Geburtsort eines der herausragendsten Dichter der europäischen Romantik, Joseph von Eichendorff (1788–1857), und in der Erkenntnis, dass sowohl das materielle als auch das geistige Erbe dieses Künstlers ein gemeinsames Gut der polnischen, deutschen und europäischen Kultur darstellt, appellieren wir mit dieser Resolution an die Ergreifung von entschlossenen und koordinierten Maßnahmen zum Schutz, Erhaltung und dauerhaften Sicherung dieses Erbes.
Das Eichendorff-Schloss in Lubowitz ist nicht nur ein Denkmal von außergewöhnlichem historischem, architektonischem, kulturellem und symbolischem Wert, sondern auch ein wichtiges Zeugnis der gemeinsamen Geschichte Oberschlesiens, einer Region, in der sich seit Jahrhunderten polnische, deutsche und tschechische Traditionen vermischen. Sein derzeitiger Zustand stellt eine ernsthafte Gefahr für den Erhalt dieses Erbes dar.
Joseph von Eichendorff, der als Dichter, Prosaautor und Denker der christlichen Romantik wirkte, spielte eine entscheidende Rolle bei der Prägung der europäischen literarischen Sensibilität. Sein Werk schlägt bis heute Brücken zwischen Völkern und Kulturen und ist ein Symbol für das gemeinsame Erbe Europas.
Mit großer Besorgnis stellen wir fest, dass der derzeitige bauliche Zustand der Schlossruine in Lubowitz ernsthafte Zweifel hinsichtlich ihres Fortbestandes und Sicherheit weckt. Durch weiteres Unterlassen von Konservierungsmaßnahmen droht dieser Ort unwiderruflich verlorenzugehen was eine unwiederbringliche Verarmung des europäischen Kulturerbes bedeutete. Obwohl der Ort vom Oberschlesischen Eichendorff- Kultur- und Begegnungszentrun gepflegt und betreut wird, fehlen dem Zentrum trotz seines Engagements und der bisher ergriffenen Maßnahmen die finanziellen Mittel, um umfassende Sicherungs- und Konservierungsarbeiten durchzuführen. Diese Situation weist deutlich darauf hin, dass die Verantwortung für den Erhalt dieses Ortes nicht allein bei einer einzigen Einrichtung liegen kann, sondern ein solidarisches Engagement öffentlicher Institutionen auf nationaler und europäischer Ebene erfordert.
Wir betonen, dass auch die Umgebung des Schlosses eines besonderen Schutzes bedarf: sie umfasst den Park, die als „Hasenweg“ bezeichnete Allee, den in Eichendorffs Gedichten beschriebenen Blick auf die Landschaft vom Zacharias-Hügel sowie die mit Eichendorff verbundenen Gedenkstätten. Sie sind integraler Bestandteil dieses Kulturerbes und sollten in ein umfassendes Revitalisierungsprogramm einbezogen werden.
Vor diesem Hintergrund appellieren wir an europäische Institutionen, Regierungen der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland sowie an die Kommunalverwaltungen, dringend konkrete Maßnahmen zur Rettung der Ruine des Joseph-von-Eichendorff-Schlosses zu ergreifen, insbesondere durch die Umsetzung von besonderen Fördermechanismen, einschließlich europäischer Mittel sowie Instrumente der deutsch-polnischen Zusammenarbeit sowie durch die Umsetzung eines langfristigen Plans zur Sicherung, Wiederaufbau und Schutz dieses Objekts.
Gleichzeitig weisen wir auf die notwendige Stärkung des deutsch-polnischen Joseph-von-Eichendorff-Zentrums für Kultur und Begegnung in Lubowitz hin als Ort des Dialogs, der Zusammenarbeit und der lebendigen Präsenz seines Schaffens im europäischen Raum.
Wir appellieren an zivilgesellschaftliche Organisationen, Institutionen und Bildungseinrichtungen, sich aktiv an den Maßnahmen zur Popularisierung des Werks von Eichendorff zu beteiligen in Form von Bildungsprogrammen, Literaturwettbewerben und Poesiefestivals, insbesondere an seinem Geburtsort.
Wir erkennen an, dass die Rettung des Eichendorff-Schlosses in Lubowitz nicht nur eine Verpflichtung gegenüber der Vergangenheit ist, sondern auch Ausdruck der Verantwortung für die Zukunft, für die Gestaltung der europäischen Erinnerung, des interkulturellen Dialogs und der gemeinsamen Identität. Durch den Wiederaufbau und Revitalisierung kann dieser Ort zu einem wichtigen Zentrum der europäischen Kultur und zu einem Raum des deutsch-polnischen Dialogs werden.
Die Erhaltung dieses Ortes kann zum Zeugnis dafür werden, dass Europa sein Erbe wirksam schützen kann – jenseits von Grenzen, Trennungen und kurzzeitigen Interessen.
Lubowitz, den 9. Mai 2026