Die heutige Grenze zwischen Polen und Deutschland erstreckt sich über 467 Kilometer und verläuft größtenteils entlang der Oder und der Lausitzer Neiße. Die mit dem Ende des Krieges gezogene Linie trennt nicht nur die beiden Länder – mit ihrer Demarkation wurde ein einst einheitliches Gebiet geteilt und zerrissen. Das Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen – eine Abteilung der Öffentlichen Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln – lädt zu einer Ausstellung der Fotos von Oliwia Drozdowicz ein, die eine Reise entlang der deutsch-polnischen Grenze fotografisch dokumentieren.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Beitritt Polens zur Europäischen Union fällt uns sehr leicht, die Schwierigkeiten zu vergessen, die einst mit dem Versuch verbunden waren, die deutsch-polnische Grenze zu überqueren. Trotz der schwierigen Geschichte beider Länder und der kürzlich wieder eingeführten Kontrollen ist es ohne allzu große Schwierigkeiten möglich, auf die andere Seite zu gelangen; Polen und Deutschland verbinden heute 43 Brücken und Stege.
In vielen Nachkriegsjahren jedoch erschwerten einen Besuch des Nachbarn nicht nur Grenzkontrollen. 1945 wurden die meisten der 104 Übergänge, die einst die beiden Ufer von Oder und Lausitzer Neiße verbanden, zerschlagen. Ihre Zerstörung bedeutete nicht nur eine Unterbrechung der geografischen Verbindung im regionalen wie internationalen Maßstab; aufgrund der in vielen Nachkriegsjahren andauernden Distanz zwischen den Nachbarn war es ein Akt auch im symbolischen Sinne.
Als ich auf einer der Brückenruinen auf der polnischen Seite stand, begann ich, das Leben der Stadt auf der anderen Seite zu beobachten. Da verspürte ich den Wunsch, den Fluss zu überqueren, auf die andere, bebaute und lebendige Seite zu gehen – etwas, das trotz des Stehens auf einer Brücke nicht möglich war, da diese beschädigt war. In diesem Moment begann ich, über die Brücken an der deutsch-polnischen Grenze nachzudenken: Wie viele gab es? Wie viele wurden zerstört? Wie viele wieder aufgebaut? Wie viele Menschen befanden sich in einer ähnlichen Situation wie ich – den gegenüberliegenden Ufer beobachtend, mit dem Gefühl, dass dies ein so naher und dennoch unzugänglicher Ort war?
Die Ausstellung der Fotografien von Oliwia Drozdowicz wird am Dienstag, dem 22. Juli, um 17.00 Uhr im Sitz des Zentrums in der ul. Szpitalna 11 in Oppeln eröffnet. Die Vernissage begleitet ein Gespräch mit der Autorin. Wir bitten Sie, Ihre Teilnahme zu bestätigen: per E-Mail an cdwbp@cdwbp.opole.pl oder telefonisch unter +77 407 50 12. Die Ausstellung wird bis zum 30. August 2025 zu sehen sein. Der Eintritt ist frei; wir laden herzlich ein!
Oliwia Drozdowicz – Fotografin und Forscherin, Absolventin der Eugeniusz-Geppert-Akademie der Schönen Künste in Breslau, Hauptfach Medienkunst mit Spezialisierung auf Fotografie. Im Jahr 2025 schloss sie ihr Masterstudium in Interdisziplinären Europastudien am Willy-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Breslauer Universität ab und verteidigte ihre Dissertation mit dem Titel Brücken an der deutsch-polnischen Grenze 1945-2023: Dokumentation und Geschichte. In ihrer Arbeit verbindet sie künstlerische Praxis mit einem Forschungsansatz, der sich auf visuelle Geschichte, die Erinnerungskultur in Niederschlesien und die Geschichte Mittel- und Osteuropas konzentriert. Sie hat Erfahrung in der Durchführung verschiedener künstlerischer Workshops und Bildungsprojekte, in denen die Fotografie zu einem Instrument der Reflexion über die Vergangenheit, die Identität und den Raum wird.